Dienstag, 11. Oktober 2011

Die Römer in Kleingreinsfurth bei Amstetten

Nr. 318 - 1. März 1997 - 22. Jahrgang

Die Römer in Kleingreinsfurth - Gymnasiasten als Archäologen (Dr. Heimo Cerny)

Im Rahmen eines Unterrichtsprojektes („Ostarrichi vor 996") am Bundesgymnasium Amstetten wurde mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes Ende Juni l995 in Kleingreinsfurth (Gemeinde Winklarn) eine archäologische Grabung durchgeführt, wobei die Überreste eines römischen Gutshofes freigelegt werden konnten.

Vorgeschichte
Bei Bauarbeiten anlässlich der Verlegung einer Erdgaspipeline durch die EVN war man im Sommer 1994 im Bereich der Ybbsterasse südlich von Amstetten in Kleingreinsfurth auf einen römischen Siedlungshorizont gestoßen. Im Profil der Künette zeigten sich Estrichreste. Fragmente von Tuffsteinmauerwerk und Verfärbungen von Siedlungsgruben. Hobbyarchäologe Gunther Hüttmeier, der die Erdbewegungen aufmerksam verfolgte, erstattete Meldung beim Bundesdenkmalamt. Das von ihm sichergestellte Fundgut (Bruchstücke von bemaltem Wandputz, Ziegelbruch, Keramik - darunter auch Terra Sigillata - und eine Bronzefibel) sowie die Ausdehnung der Fundstelle veranlassten die Sachverständigen des Denkmalamtes, das neu entdeckte Objekt als römischen Gutshof (Villa rustica) zu interpretieren.
Die entsprechende Parzelle Nr. 588/2 (Grundeigentümer: Hans und Edeltraud Wurz, Kleingreinsfurth 8, 3300 Winklarn) wurde daraufhin am 11. Mai l995 mit folgender Begründung unter Schutz gestellt: "Die 1994 bei Greinsfurth entdeckten römischen Gebäudereste stellen einen der bedeutendsten archäologischen Neufunde der letzten Jahre im Bezirk Amstetten dar. Die unversehrte Erhaltung der hier unter der Erdoberfläche verborgenen archäologischen Funde und Befunde liegt wegen ihrer geschichtlichen und kulturellen Bedeutung in öffentlichem Interesse. Im westlichen Niederösterreich ist zwar durch kleinere Ausgrabungen eine größere Anzahl derartiger Gutsbetriebe bekannt, doch fehlen moderne wissenschaftliche Untersuchungen, die Aufschluss über ihre Funktion und innere Struktur gestatten würden. Aus dem Ortsgebiet von Winklarn selbst fehlen alle derartigen Nachweise, obwohl römische Grabfunde seit dem 19. Jh. bekannt sind." Auf Anregung von Prof. Dr. Heimo Cerny erwirkte die Direktion des BG Amstetten beim Bundesdenkmalamt eine Grabungsbewilligung mit dem Ziel, die römischen Gebäudereste im Rahmen eines Unterrichtsprojektes systematisch zu bergen. Auch die Schulbehörde gab grünes Licht für das Archäologieprojekt der Amstettner Gymnasiasten. Die Finanzierung wurde vom Unterrichtsministerium (Kulturservice) übernommen, die Ostarrichi-Kaserne des Österreichischen Bundesheeres stellte einen Bagger und Schanzgerät zur Verfügung, die Amstettner Pfadfindergruppe half mit Zelten aus, und die Firma Römerquelle (nomen est omen!) sponserte die Getränke für die durstigen Hobby-Archäologen. Organisatorische Unterstützung leistete dankenswerterweise auch der Regionalverband Mostviertel-Eisenwurzen.

Die Grabung
In den letzten 10 Tagen (19.-29.Juni) des auslaufenden Schuljahres 1994/95 begaben sich 20 hochmotivierte Schüler der 7c Klasse auf die mit Spannung erwartete historische „Schatzsuche". Die örtliche Grabungsleitung besorgten zwei Studenten der Ur- und Frühgeschichte im Auftrag von Mag. Franz Sauer, Bundesdenkmalamt Wien, Abteilung für Bodendenkmale.

Auf der bereits durch Baggerung abgetieften Fläche (der Humus war vollständig entfernt) wurde ein L-förmiger Schnitt ausgesteckt, der sowohl die Grube der Pipeline als auch eine Fläche parallel dazu erfassen sollte. Der N-S-orientierte Schnitt maß 13x3 m und der normal darauf südöstlich anschließende maß 12x3 m. Im südöstlichen Teil zeigte sich nach einer Abtiefung von etwa 20 cm eine in der lehmigen Erdschicht eingebettete, künstlich angelegte Schmierung aus ca. 5 - 10 cm Flusssteinen, die sorgfältig freigeputzt wurden und schließlich als Rollierung (Unterboden) der vermuteten römischen Villa erkannt werden konnten. Der gesamte Schnitt wurde fotografisch und zeichnerisch dokumentiert, das Fundgut nach Quadratmetern aufgenommen und die Fundgruppen (Tuffstein, Mörtelbrocken, bemalte Wandputzfragmente, Keramik, Metalle, Knochen etc.) entsprechend getrennt. Die Hauptmasse der Funde besteht aus Keramik- und Ziegelbruchstücken, die nach der Bergung jeweils sorgfältig gewaschen und beschriftet wurden.

Erheblich beeinträchtigt wurde die Grabung leider durch zeitweiligen starken Regen, sodass die Grabungsstätte des öfteren zur Gänze unter Wasser stand und mühsam wieder trockengelegt werden musste! Trotz der nicht immer günstigen Wetterbedingungen herrschte optimales Arbeitsklima, und die Schüler nahmen nicht unbeträchtliche Strapazen auf sich. Erfreulicherweise war auch die Hilfsbereitschaft der Anrainer und vor allem das kooperative Entgegenkommen des Grundbesitzers und seiner Familie.

Auswertung und Ergebnis
Das von den Schülern geborgene und sorgfältig gereinigte Fundgut wurde dem Bundesdenkmalamt zur Begutachtung übergeben. Der mit der wissenschaftlichen Auswertung beauftragte Archäologe Dr. Reinhardt Harreither - auch ein ehemaliger Schüler des BG Amstetten - kam zu folgendem Ergebnis:
Die zahlreich vorkommenden Tuffstücke, Mörtelbrocken und Ziegelfragmente, von denen einige Fingermarken tragen, stammen wohl von einem gemauerten Gebäude der römischen Kaiserzeit, ein Wandputzfragment mit roter Wandmalerei deutet sogar auf eine gehobene Ausstattung hin. Der Großteil der geborgenen römischen Keramik ist sogenannte Gebrauchskeramik, die lokal hergestellt worden ist. Es konnten zwei überwiegend vorkommende Warengattungen ermittelt werden: Ware A = Scherben außen hell bis orange, Kern grau, mit groben Quarzkörnern. Ware B Scherben hell bis orange, ohne grauen Kern, mit kantigen Quarzkörnern. Ein erheblicher Anteil der etwa 250 Keramikbruchstücke weist Verzierungen auf, wie Wellband-, Besenstrich-, Kammstrich- und Rädchendekor. Neben der überwiegenden heimischen Gebrauchskeramik ist in geringem Maße auch Importkeramik (Luxusware) vertreten: sogenannte Rätische Ware sowie süd- und mittelgallische Terra Sigillata. Insgesamt lässt sich die römische
Keramik in den Zeitraum spätes 1. bis spätes 2. Jh. n. Chr. datieren. Spätantikes und frühmittelalterliches Scherbenmaterial ist nicht vorhanden.

Nach Abschluss der Grabung am 30.6.1995 wurde der neben der Grabungsstelle angehäuftes Humus, der bereits ein Jahr zuvor im Zuge der Pipeline-Verlegung abgeschoben war, wieder über dem Grabungsareal mit einer Schubraupe planiert. Aus dem Aushubmaterial (Abraum) konnte Hobbyarchäologe Karl Kremslehner noch zusätzliche beachtenswerte Fundstücke bergen; einen Silber-Denar JULIA MAMAEA (um 220 n.Chr.), eine Bronze-Fibel mit Stützplatte, eine Doppelknopffibel aus Bronze (typischer Bestandteil der römischen Frauentracht) sowie zwei Bleirollen (zum Beschweren von Fischernetzen). Von Dr. Cerny wurde noch ein Eisennagel und ein Eisenmesser aufgesammelt. Über diese außerhalb der Grabungskampagne getätigten Funde wurde ordnungsgemäß ein Fundbericht verfasst und am 17.8.1995 dem Bundesdenkmalamt übermittelt.

Die Tatsache, dass im gesamten Grabungsareal lediglich eine einzige Münze zum Vorschein kam, lässt vermuten, dass der römische Siedlungsplatz in der Spätantike bzw. zur Zeit der Völkerwanderung einer systematischen Plünderung und Zerstörung zum Opfer gefallen ist.

Hinweise auf eine römische Siedlung im Raum von Greinsfurth waren bisher nicht bekannt. Allerdings wurde im Jahr 1907 im damals trockengelegten Ybbsbett an der Einmündung der Url ein römischer Grabstein (Stele) mit figuraler Darstellung gefunden. Das Amstettner Wochenblatt berichtete darüber am 2.11.1907:
„Ein römisches Grabdenkmal in der Ybbs nächst Greinsfurth, woselbst gegenwärtig beim Wehr des Amstettner Elektrizitätswerkes an der Herstellung eines Uferschutzbaues gearbeitet wird, machte der leitende Ingenieur dieser Tage einen interessanten Fund. Es ist dies ein kolossales antikes Grabdenkmal aus Granit mit figuralem Schmuck. Das viereckige Grabmal lag fast vollständig im Schotter eingegraben, in der Mitte des zum großen Teile jetzt trocken liegenden Flußbettes an der Einmündung des Urlflusses in die Ybbs. Der Grabstein ist 150 Zentimeter hoch, 83 Zentimeter breit und 20 Zentimeter dick und hat ein Gewicht von zirka 600 Kilogramm. Er ist trotz jahrhundertelanger Lagerung im Flusse noch recht gut erhalten. Die eingegrabene Epitaphschrift ist wohl nur mehr in schwachen Spuren zu erkennen: indessen haben die bildlichen Darstellungen im oberen Drittel des Steines nur geringen Schaden genommen. Sie zeigen im Hochrelief das Brustbild eines Römers mit Tunika und Toga und einer Römerin, dann zwischen beiden 38 Zentimeter hohen Figuren dasjenige eines Kindes. Jedenfalls ist das Grabrelief der besseren Zeit der römischen Kunst angehörig. Der Gasthofbesitzer Herr Schwaighofer in Greinsfurth ließ das Grabdenkmal ausheben und zu seinem Haus schaffen....
Gegenwärtig befindet sich der Grabstein unter der Bezeichnung "Stele, Ehepaar mit Kind" im Depot des Archäologischen Museum Carnuntiunum in Bad Deutsch-Altenburg. Dieser bis dato völlig isoliert erscheinende Einzelfund aus dem Jahr 1907 kann nunmehr schlüssig in Zusammenhang mit einer römischen Siedlung (vicus?) in Kleingreinsfurth gebracht werden. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich auf dieser überschwemmungssicheren Ybbsterrasse gegenüber der Url Einmündung nicht nur ein einzelner römischer Gutshof befunden hat. Das geübte Auge des Archäologen kann im Gelände einen umfangreichen Siedlungshorizont erkennen."
Im Rahmen der auf nur 10 Tage begrenzten Grabungskampagne der Amstettner Gymnasiasten konnte freilich nur ein kleines Fenster in die römische Vergangenheit von Kleingreinsfurth geöffnet werden. Eine Auswahl interessanter Fundobjekte ist in einer Schauvitrine im 1. Stock des Bundesgymnasiums Amstetten zu besichtigten.


Montag, 10. Oktober 2011

Kurzgeschichte des Marktes Ardagger

Nr. 171 - 1. Juli 1986 - 15. Jahrgang

Kurzgeschichte des Marktes Ardagger (von Karl Kneissl)

Markt Ardagger wurde in wirtschaftsgeographischer Hinsicht zweifach bedeutsam.
Zum einen besaß es "Am Stein" den einzigen wegsamen Übergang über die Donau. Westlich davon behinderte das wasser- und sumpfreiche Machland den Übergang, im Osten sind es die hohen und steilen Bergrücken des Strudens. Diese Überfuhr war so wichtig, dass sie in landesfürstlichem Besitz blieb.

Zum zweiten bot Ardagger die beste Möglichkeit, auf dem Landweg dem sehr gefürchteten Wirbel und Strudel der Donau auszuweichen. Hier begann die Straße, die über den Edthof und Viehdorf gegen die Stadt Ybbs führte. Sie trug den bezeichnenden Namen "Herfurt", das heißt Heerstraße.

Doch auch wichtiger Anlegeplatz für die Schiffahrt war Ardagger. Die Felsen und Riffe im Wasser des Strudengaues machten diese Strecke bei gewissen Wasserständen nahezu unfahrbar. Ardagger Markt wurde dadurch zum wichtigsten Anlegeplatz oberhalb des Strudengaues. Hier wurde die Fracht auf kleinere Schiffe umgeladen und auch kurzfristig gelagert.

In Ardagger gab es Lotsen, die sogenannten Strudenfahrer (sie mussten Nichtschwimmer sein!), die an Bord genommen wurden, um die Schiffe sicher durch den Struden zu lenken. Bei Sarmingstein wurden sie wieder an Land gebracht, von wo sie 13 km zurück nach Ardagger gingen. Die Entlohnung richtete sich nach dem geschätzten Risiko.

Darum hat Ardagger eine alte, bedeutende Geschichte. Urgeschichtliche Funde stammen aus unterschiedlichen Epochen. Weitere Funde zeugen für eine bedeutende Siedlung zur Römerzeit. Die Tradition behauptet, dass auf dem Kirchhügel auch ein römischer Wachtturm gestanden sei. Das konnte aber die Untersuchung durch das Bundesdenkmalamt nicht bestätigen.

Vielleicht hat es schon zur Römerzeit hier Weinbau gegeben. Die Terrassen dafür sieht man heute noch entlang der nach Süden gerichteten Hänge. Der Weinbau reichte in dieser Gegend allerdings bis in die frühere Neuzeit hinein.

Unter den Karolingern wird Ardagger 823 in den Besitz des Hochstiftes Passau gekommen sein. Passau will hier zwei Gotteshäuser errichtet haben. Aber "durch die Habsucht der Markgrafen", klagte das Hochstift, sei ihm dieser Besitz entwendet worden. Das beweist, wie wichtig man Ardagger im Frühmittelalter genommen hat.

Markt Ardagger entwickelte sich in der Folge zu einem hochbedeutsamen Fernhandelsplatz, besucht von den Kaufleuten aus Regensburg. Er konnte mit Linz konkurrieren. Die Kreuzzüge, die mehrfach donauabwärts ihren Weg nahmen, erhöhten noch die Stellung und den Reichtum des Marktes. 1147 hielt sich hier Kaiser Konrad III. mehrere Tage auf, um das Heer des 2. Kreuzzuges zu erwarten. Den Bewohnern wurde ein Privileg verliehen, das sonst nur einer städtischen Bevölkerung zukam: Es wurde in Streitsachen von dem Gottesurteil der Wasserprobe befreit.

Der Markt unterstand der Propstei des Stiftes Ardagger. Das Verhältnis war schlecht.

Mitte des 13. Jahrhunderts verlor Ardagger sein privilegiertes Handelsrecht. Wahrscheinlich kam es an Amstetten, das zu dieser Zeit plötzlich als privilegierter Markt erscheint. Es war dies der schwerste Schlag, den Ardagger hinnehmen musste. Es sank vorübergehend fast zur Bedeutungslosigkeit hinab.

Die Pfarrkirche ist dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Wege zu Wasser und zu Land, geweiht. Sie liegt auf steiler Höhe. 123 Steinstufen führen hinauf. Baulich gesehen, gilt die Kirche als eine der ältesten im Bezirk. Die niederen, nun freigelegten romanischen Rundbogenfenster beweisen es.

Sehenswert ein Fresco aus dem 13. Jahrhundert und die frühgotische Darstellung der beiden Testamente im Mittelfenster des 5/8-Schlusses. Ardagger war an Erlakloster zehentpflichtig.

Bis ins 14. Jahrhundert Floss das "schwere Wasser" der Donau an der Lände
von Stephanshart vorbei. Mit dem Versanden dieses Wasserarmes entwickelte sich Ardagger wieder immer mehr zum geeignetsten Verladehafen vor dem Strudengau.

Seit 1496 gehörte der Markt dem Gauprivileg der Eisenwurzen an. Kamen stromaufwärts vor allem Getreide, Wein, Honig und Wachs aus Ungarn, so wurden stromabwärts Holz, Vieh und Fleisch, Obst, Leder und Eisenwaren (Waidhofen) transportiert.

Die Wasser der Donau legen an und reißen ab. So ist der Anlegeplatz von der Kochmühle (unterhalb der Tankstelle Schnabl) zum Lettenspitz (Straßenauffahrt bei Gasthaus Auer) und weiter bis zum Schatzkastl (Gasthaus Mimmler) gewandert. Das sind 1.400 m.

Markt Ardagger wurde zum "Goldenen Marktl" und blühte wieder immer mehr auf. Die Schifferzunft beherrschte den Ort. Der Schiffmeister wurde zum mächtigsten Mann. Um 1580 entstand das Schiffermeisterhaus. Der Markt erhielt Marktsiegel und Wappen: Auf weiß-rot-weißem Schild ein Stroz (diente zum Auflegen der Schiffsseile) mit gekreuztem Ruder und Schiffshaken.

Der Schiffmeister hatte eine eigene Schopperwerkstätte zur Reparatur seiner Holzschiffe. Hier entstand auch ein neues Holzschiff. Der "Ardagger", wie dieses Schiff überall genannt wurde, diente zur Schnellversorgung Wiens. Der "Ardagger" wurde später bis zum Inn hinauf nachgebaut und befuhr die Donau bis nach dem 1. Weltkrieg. Dieses schnelle und wendige Holzschiff wurde von nur zwei Mann bedient. Es hatte ein Antauch-, ein Seiten- und ein Steuerruder, war 9 Meter lang, 2,20 m breit und sehr gebaucht. Die 70 cm hohen Wände konnten gegen den Wellenschlag mit Aufsetzbrettern versehen werden. Das Schiff hatte hinten und vorne einen ca. 80 cm breiten Stock (vorne mit Eisen beschlagen) und einen eisernen Ring zum Zurückziehen für das Seil. Die Tragfähigkeit betrug 5 Tonnen. Das Schiff transportierte hauptsächlich Frischfleisch, Obst und Gemüse. In Ardagger fuhr man sehr früh weg, übernachtete in Tulln und war nächsten Vormittag in Wien.

Nebst den verschiedenen Plätten, Traunern, gedeckten Salzschiffen und der Fliesstein zur Personenbeförderung gab es Kehlheimer und Siebnerinnen. Sie dienten zur Verladung von Schwer- und Massengütern.

In Ardagger wurde auch Stein gebrochen. Bis zu 300 Tonnen Pflastersteine konnten in den 40 m langen, 7,50 r breiten und 1,90 m hohen Siebnerinnen nach Wien und Budapest verladen werden. Ein geprüfter Nauführer mit 12 Mann Besatzung war oft 14 Tage lang unterwegs. An die Gegen- oder Treiberzüge wurden durch den Struden bis zu 60 Pferde angespannt. An die 50 Schiffleute kamen dann nach Ardagger, wo umgespannt wurde.

Bei zu hohem Wasserstand konnte im Gschirrwasser der Au nicht weitergefahren werden, und der Markt war durch mehrere Schifferzüge übervölkert, obwohl 11 Gasthäuser zur Verfügung standen. Der Schwarzhandel blühte. Von überall kamen Menschen, um Geschäfte zu machen. Dorfrichter, Nachtwächter und Wundarzt hatten viel zu tun, denn es wurde auch viel gerauft. Oft wurde auch ein Schifferball abgehalten.

Markt Ardagger war einer der Orte, der in der Zeit der protestantischen Wirren katholisch geblieben war. Er nützte diese Chance und erreichte im Jahre 1567 die Dorfgerichtsbarkeit. Gerichtsbücher und Pranger stammen aus dieser Zeit.

Markt Ardagger war bei der Auseinandersetzung zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen der erste Ort im Herzogtum unter der Enns, der sich freiwillig zu Rudolf bekannte. Daher finden wir auf dem Pranger und dem Marktbrunnen den blechernen Sauschädel, Symbol der Kaisertreue, des Glücks und des Handels.

Die Sprengungen im Strudengau zur besseren Fahrbarmachung der Donau, die Dampfschiffe und die Eisenbahn brachten eine große Umwälzung. Ardagger büßte seine Möglichkeiten wieder ein. Um das einstige goldene Marktl wurde es allmählich still.

Von den 11 Gasthäusern blieben nur 4 übrig, und auch Lebzelter, Seiler, Riemer und Sattler verschwanden. Die Umstellung konnte der Markt nur schwer verkraften, sie machte ihm besonders zwischen den beiden Weltkriegen arg zu schaffen.

Ardagger erlebte viele Hochwässer mit schweren Schäden an Haus und Flur. Gefürchtet waren die "Wintergießen" und die Eisstöße, deren Schollen die Bäume anschlugen und zum Absterben brachten.

Im Jahre 1866 lagen noch im Juni Eisreste im Augebiet. Erst die Uferverbauungen um die Jahrhundertwende brachten eine Besserung. Leider wurden dabei auch viele Einstände der Fische zerstört.

Der Hochwasserschutzdamm und die darauf verlaufende Umfahrungsstraße brachten Markt Ardagger ein neues Gesicht und neue Möglichkeiten. Es war für Ardagger Markt ein großer Tag, als ÖR LABG. Bürgermeister Karl Amon am 17. Dezember 1979 die Umfahrung ihrer Bestimmung übergeben und für alle Zeiten den Schutz des Marktes, seiner Häuser und Gärten vor Hochwässern verkünden konnte.


Die renovierte und des Abends oft angestrahlte Nikolauskirche grüßt herunter und mahnt zur Vorsicht auf den neuen Verkehrswegen - den Straßen.

Russischer Zar Nikolaus I. unfreiwillig in Aschbach zu Gast

Nr. 90 - 1. Oktober 1979 - 8. Jahrgang

"RUSSISCHER ZAR NIKOLAUS I. UNFREIWILLIG IN ASCHBACH ZU GAST" (verfasst von Hauptschullehrer Hans Gugler)

Wenn heute ein Staatsoberhaupt ein fremdes Land bereist oder gar den Heiligen Vater in Rom besucht, so wissen Presse, Rundfunk und Fernsehen genauestens zu berichten. Selbstverständlich würde heute eine weite Reise im Düsen-Jet oder zumindest im Sonderzug durchgeführt, außerdem würde heute ein hoher Herrscher, bewacht von Polizei und Beamten und im Begleitschutz des einheimischen Militärs auf genau vorbestimmtem Weg geleitet- werden.

Nun, wie war es aber vor mehr als hundert Jahren?

Im Spätherbst des Jahres 1845 setzte es sich der russische Kaiser Nikolaus I. in den Kopf, den Papst in Rom zu besuchen. Auf welchem Weg er nach Italien kam, wie die Route nach Süden verlief, weiß man heute kaum mehr. Ja, man weiß nicht einmal, an welchem Tag der "Herrscher aller Reussen" nach Österreich kam und wie er durch Österreich gelangte. Bloß von seiner Rückreise steht in der Wiener Zeitung eine kurze Notiz, nämlich dass Zar Nikolaus I. am 31. Dezember 1845 über Gloggitz Wien erreichte.

Was in aller Welt aber veranlasste den hohen Herrn, in Aschbach zu verweilen?
Der russische Kaiser reiste für heutige Begriffe noch recht unbequem -mit der Kutsche. Die Reise durch das Alpenvorland ging nicht die alte Poststraße entlang, die der Bundesstraße 1 entspricht, sondern entlang der Alpenvorlandstraße 122, die schon damals der landschaftlichen Schönheit wegen von vieler Reisenden bevorzugt wurde. So auch von Zar Nikolaus I. und seinem Gefolge.

Ja - und in Aschbach wäre er wie in so vielen Ortschaften unbemerkt geblieben, hätte nicht ein Unglück" des Kaisers Fahrt gestoppt. An der Grenze zwischen den Katastralgemeinden Aschbach und Mitterhausleiten, zwischen dem Krucka- und dem Furtnerberg, führt heute die Bundesstraße auf einer modernen Brücke über den Kupfmühlbach. Damals aber war der Bach noch nicht überbrückt. Man fuhr also durch den Bach - durch die Furt. Das Haus nächst der Brücke, Mitterhausleiten Nr. 3, trägt heute noch den Hausnamen "Furth".

Der Kumpfmühlbach schwillt nach starkem Regen heute noch sehr schnell an, und das reißende Wasser wird damals das Bachbett da und dort ausgehöhlt haben. Als also die kaiserliche Kutsche durch den Bach führ, sackte eine Seite des Wagens in so eine Vertiefung, und sie kippte mitsamt der Kaiserlichen Hoheit. Das war eine schöne Bescherung! Kaiser und Begleitung mussten aus der Kutsche klettern und waren wahrscheinlich pudelnass. Der hohe Herr war äußerst ungehalten, aber gegen die Macht der Verhältnisse konnte auch sein Wille nicht aufkommen. Man bemühte sich, dass schwere Gefährt wieder flottzumachen. Mit Stangen und Winden versuchte man die Kutsche wieder auf die Räder zu bringen.

Während dieser Stunden wäre es aber für die "Verunglückten" unmöglich gewesen, in der kalten Witterung - es war ja Winter - frierend zu warten. Der Kaiser war genötigt, mit seinem Gefolge ein schützendes Obdach zu suchen. Man wählte das nächstgelegene Bauernhaus, "Furth", und bat um Unterkunft.

In der einfachen, aber warmen Bauern Stube fühlten sich die hohen Gäste bald wohl und ließen es hoch hergehen Der Zar ließ, um seinen Ärger und Verdruss zu bannen, aus seinem Reisegepäck Bohnenkaffee holen und einen starken Trunk brauen. Der junge Hausherr, Jakob Schlöglhofer, vulgo Furthner Jakob, durfte natürlich mittafeln und erhielt damals vom Tische des Kaisers seinen ersten Kaffee.

Als die Kutsche schließlich wieder auf vier Rädern stand, die Kleider trocken und der Kaiser samt Gefolgschaft gestärkt waren, "durfte" der Jakob den hohen Gast mit seinem Gespann bis zur nächsten Poststation Sankt Peter in der Au, weiterkutschieren. Als das Ziel in rascher Fahrt erreicht war, dankte der Zar und belohnte den braven Kutscher ganz fürstlich mit zehn blanken Gulden. Diese vornehme Fahrt und dieser kaiserliche Lohn waren wohl das größte Ereignis im Leben des Furthner Jakob.

Die Episode hielt Pater Petrus Ortmayer, Benediktiner zu Seitenstetten,, in seinem Büchlein "Von kleinen Leuten" fest. Herr Jakob Schlöglhofer, Sohn des Furthner Jakob (verstorben am 27.2.1946) hat sie ihm berichtet. Die Erzählung trägt den Titel "Der Furthner - Jakob zu Krenstetten trinkt mit dem Kaiser von Rußland seinen ersten Kaffee". Heute hat man in ganz Aschbach und Krenstetten, ja selbst im Hause Schlöglhofer, Mitterhausleiten Nr. 3, dies: "schrecklich - nette" Begebenheit beinahe vergessen. - Sie ist weder in einer Zeitung noch in einer Chronik verzeichnet.


Gemeinde Viehdorf

Nr. 121 - 1. Mai 1982 - 11. Jahrgang

GEMEINDE VIEHDORF
(verfasst von OSR Alfred WERNER)

1) Geographische Lage und Gliederung

Die Gemeinde Viehdorf erstreckt sich über eine Fläche von 1579 Hektar. In derzeit 200 Häusern wohnen 1.025 Menschen. Die Gemeinde besteht aus einem Hügelland, das sich bei Viehdorf plateauförmig auf 358 m erhebt, gegen Nordosten aber allmählich abfällt. Südöstlich liegt der Haubenberg, der zum Ybbsfeld ziemlich jäh abfällt. Das bedeutendste Gewässer ist der aus der Gegend von Neustadtl kommende Seiseneggerbach, der von der Blumaumühle bis Seisenegg die östliche Gemeindegrenze bildet. Bei Seisenegg windet er sich durch ein schluchtartiges Tal und fließt zu einem Arm der Ybbs (Mühlbach). Der Holzbauernbach (Altbach) hingegen fließt zur Donau.

Die Ortsgemeinde Viehdorf besteht aus den drei Katastralgemeinden:
a) Hainstetten (nordöstlicher Teil der Gemeinde) mit den Ortschaften Hainstetten, Reikersdorf und Schiltdorf
b) Seisenegg (südlicher Teil der Gemeinde) mit den Ortschaften Atzelsdorf, Grub, Haubenberg, Obernhof und Sippenberg
c) Viehdorf (westlicher Teil der Gemeinde) mit den Ortschaften Berging, Ennsfeld und Hochholz

2) Historischer Werdegang

Im Raum von Viehdorf lag einst ein sehr wichtiger Straßenknotenpunkt: Hier trafen die wahrscheinlich römische, sicher aber frühest-mittelalterliche "Hochstraße, über Oed kommend, mit dem "Herfurt" zusammen. Herfurt bedeutete Heerstraße", Hauptstraße, sie umging, von Ardagger kommend, den gefährlichen Donauweg im Struden als Landstraße. An ihr lag der wehrhafte Sitz Herfurt, dessen Nachfolger Edthof ist. Genau am Zusammentreffen der Hochstraße mit dem Herfurt befand sich auch ein wehrhafter Sitz, mit dem uralten Namen Ennsfeld (Enzenfeld). Von sehr hohem Alter ist auch der Ort Viehdorf, denn er zeigt die älteste Siedlungsforrn, das ohne besonderes Ordnungsprinzip entstandene Haufendorf. Die beiden Namen Viehdorf und Schiltdorf lassen auf einen alten, sehr bedeutenden Wirtschaftsbetrieb schließen.

"Viehdorf" war für die Zeit vor 955 der Name eines viehzüchtenden Großbetriebes, Schiltdorf ein Betrieb, der Schilde erzeugte. Die Schilde bestanden aus einem festen Holzrahmen, der mit Leder überzogen wurde. Die Häute für das Leder wird man aus dem benachbarten Viehdorf bezogen haben. Der Mettener Historiker W. Fink nimmt an, dass das niederbairische Kloster Metten, welches von etwa 900 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Eisenreichdornach begütert war, mit seinem Grundbesitz ursprünglich bis an die beiden oben genannten Straßen grenzte und diesen kombinierten Großbetrieb aufgezogen hat. Als das Kloster Metten vom 10. bis 12. Jahrhundert "Kommende" der bayerischen Herzöge war, d. h. dass diesem das Klostergut überantwortet wurde, erlitt es schwerste Verluste, denn der Herzog gab die Güter an Adelige aus, die er dafür zu Kriegsdiensten verpflichtete. Damals mögen Viehdorf, Hainstetten, Seisenegg, Reikersdorf und Schiltdorf Adelsgüter geworden sein, von denen sich die drei erstgenannten mit großem Grundbesitz länger behauptet haben.

Ein Adelsgeschlecht der Viehdorfer starb erst um 1500 aus. Man zeigt in Viehdorf den Platz, wo einst deren Wasserschloss gestanden sein soll. Die Viehdorfer gründeten im Ort die Kirche, sie war aber nur eine Filialkirche von Amstetten. Das Schloss Hainstetten besteht noch als prächtiger Renaissancebau. Seine Besitzer wechselten stark. Vor etwa 50 Jahren erwarben die Schulschwestern von Amstetten das große Gut als Alterssitz der Schwestern und zum Betrieb einer Ökonomie.
Am bedeutendsten wurde die Veste Seisenegg. Sie vermochte vor der Klamm des Seiseneggerbaches die Umfahrungsstraße des Strudengaues zu sperren. Genaueres wissen wir von ihrer Geschichte aber erst ab der Mitte des 13. Jh. Das große Adelsgeschlecht der Wallseer setzte sich, kaum dass es nach Österreich gekommen war, in den Besitz der Veste (1303). Nun wurde Seisenegg der Sitz eines Landgerichtes, das im östlichsten Teil des Bezirkes Amstetten die Schwerverbrechen abzuurteilen hatte. Der Galgen stand an der Reichsstraße, im Galgenlüß. Unter den späteren Besitzern sind besonders die Freiherren von Greiffenberg wichtig. Sie machten das ihnen untertänige Viehdorf durch die Förderung einer evangelischen Schule und den Bau des Pfarrhofes im 17. Jahrhundert, zu einem Bollwerk des Protestantismus. Im Pfarrhof wirkten zwei Geistliche, sie hatten auch die Belange der Protestanten im nahen Markt Amstetten wahrzunehmen.

Die Folge war, dass Viehdorf erst 1775 ein eigener katholischer Pfarrer zugestanden wurde. Das Schloss Seisenegg war unter den Greiffenberg ein Zentrum hoher evangelischer Adelskultur. Katharina Regina von Greiffenberg, eine begnadete Dichterin, schrieb geistliche Sonette. Unter dem Druck der siegreichen Gegenreformation wanderte sie 1680 nach Nürnberg aus. Es folgten in Seisenegg als Besitzer die Freiherren von Riesenfels. Sie bauten das Hochschloß in seiner heutigen Gestalt aus und ewarben dazu einen höchst umfangreichen Grundbesitz. Der ging 1848 durch die Bauernbefreiung verloren. Zur selben Zeit verlor Seisenegg durch die Verstaatlichung der Gerichte seine Gerichtsbarkeit. Um die Hebung der bäuerlichen Wirtschaftskraft machte sich in der 2. Hälfte des 19. Jh. eine angesehene Landwirtschaftsschule in Edthof sehr verdient.

Aus der Kirche sind um 1880 die barocken Kunstwerks entfernt worden. Dafür wurden ganz primitive Altäre aufgestellt. Die Kirche machte einen ärmlichen Eindruck. Durch eine Renovierung wurde sie zu einer der schönsten im Bezirk. Die Pfarrgemeinde kam für die Innenrenovierung auf, die Diözese für die äußeren Arbeiten, Der Altarraum wurde der neuen Liturgie angepasst, ein Querschiff mit einem Vorraum und einem Beichtzimmer aufgeführt, ebenso eine moderne Taufkapelle.

1975 wurde ein moderner Schulbau geschaffen, in dem auch ein Kindergarten untergebracht ist. Weiters steht der Jugend ein Sportplatz zur Verfügung.

3) Kulturelles Leben der Gegenwart

Die Träger des kulturellen Lebens sind die Schule, der Kirchenchor und eine Musikkapelle. Die kirchlichen Feste geben Gelegenheit, altes Brauchtum zu pflegen.

Ausflugsziele:
Seisenegg und Viehdorf sind beliebte Ausflugsziele für viele Amstettner, da diese Ortschaften bequem auch zu Fuß erreichbar sind.


Der Kollmitzberger Kirtag - ein Jahrmarkt mit 800-jähriger Tradition

Nr. 7 - 1.11.1972 - 1. Jahrgang

Dr. Heimo Cerny: Der Kollmitzberger Kirtag - Ein Jahrmarkt mit 800-jähriger Tradition

Dort, wo der breite Strom in das gefährliche Engtal des sagenumwobenen Strudengaues eintritt, grüßt an der rechten Uferseite von beherrschender Höhe herab die weithin sichtbare Kollmitzberger Ottilienkirche. Auf diesem überragenden Aussichtspunkt am westlichen Ausläufer der Neustadtler Platte befand sich schon zur Römerzeit ein Wachtturm und lange vorher vermutlich auch eine heidnische Opferstätte. Im 13. Jh. wurde dann vom nahen Stift Ardagger aus hier heroben eine Seelsorgestation eingerichtet. Auf Grund des in unserer Heimat äußerst seltenen Patroziniums der Hl. Ottilie, der Schutzpatronin der Augenkranken, entwickelte sich die Bergkirche bald zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort.

Noch im vorigen Jahrhundert galt "St. Ottilia am Kalmizberge" als stark frequentierter Gnadenort, wie aus einem Handbuch für Reisende auf der Donau aus dem Jahre 1827 hervorgeht: "In dieser einsam oben am Berge gelegenen Kirche versammeln sich jährlich viele tausend Menschen, um für ihre Augen zu bethen . . . . " Heute liegt das behäbige spätgotische Wallfahrtskirchlein mit seinem reizvollen barocken Zwiebelturm ziemlich abseits vom Getriebe des Massentourismus. Einmal im Jahr jedoch erwacht das hochgelegene Örtchen auch heute noch zu regem und buntem Leben: Jeweils an den letzten Tagen der Herbstquaternberwoche im September rüstet man zum traditionellen und weitbekannten Kollmitzberger Kirtag, der alljährlich tausende Besucher aus dem Most- und Mühlviertel anlockt.

Die Frage nach den historischen Wurzeln dieses Kirtags am Kollmitzberg führt uns weit zurück in die Geschichte der uralten Donauschiffahrt. Die stromabwärts fahrenden Schiffer und Reisenden mussten bei Ardagger anhalten, wenn sie das gefürchtete Donauengtal des Strudengaues am sicheren Landweg umgehen wollten. So landete auch Kaiser Konrad III. im Mai 1147, als er mit einem Heeresaufgebot von 70.000 Mann zum zweiten Kreuzzug aufbrach, hier in Ardagger und zog auf dem sicheren Landweg nach Ybbs, um erst von dort weg wieder die Donau zu benutzen. Der berüchtigte "Strudel und Wirbel" bei Grein war ja bis vor nicht allzu langer Zeit der Schrecken aller Schiffsleute. An dieser Stelle hatte seit alters der Stromgott seinen Sitz, den schon die Römer dadurch zu beschwichtigen trachteten, indem sie ihm reiche Münzopfer als Weihegaben in die gurgelnden Fluten warfen. Dieser zürnende Stromgott scheint dann im Hl. Nikolaus, dem Patron der Schiffer und Händler, sein christliches Gegenstück gefunden zu haben.

Ihm sind ja bezeichnenderweise die Gotteshäuser in Markt Ardagger sowie in St. Nikola, das am Ende der Gefahrenzone am linken Donauufer liegt, geweiht. Auch die heidnischen Weiheopfer haben eine christliche Umwandlung erfahren: Im Jahre 1351 bestätigte Herzog Albrecht II. der Kirche zu St. Nikola das alleinige Recht, von den Schiffsleuten zwischen Ardagger und Ybbs Almosen einzusammeln. Aus den Erträgnissen dieser Sammlung musste der Treppelweg längs der Donau erhalten werden. Erst 1913 ist diese uralte Schiffahrtsabgabe offiziell aufgelassen worden.!

Sehr früh begann in Ardagger zufolge seiner wichtigen Verkehrslage der Handel aufzublühen, und im Hochmittelalter entstand hier ein weltbekannter Warenstapel- und Umschlagsplatz, der von Kaufleuten aus aller Herren Länder besucht wurde und dessen Erträge dem 1049 gegründeten Chorherrenstift zuflossen. Alljährlich begann im Juli, zum Fest der Kirchenpatronin Margarete, ein zwei Monate lang (!) dauernder Jahrmarkt, der bald die Dimension einer internationalen Handelsmesse angenommen haben durfte. Im Jahre 1192 bestätigte der Babenberger Leopold V. dem Stifte das Marktrecht "per duos menses" und verbot jede Beeinträchtigung desselben. Vier Jahre später wurde auch das wichtige Privileg der Mautfreiheit gewährt. Vor allem war es der Handel mit Holz, Tierhäuten (Leder), Wein und Salz, der den Wohlstand und die Bedeutung des "Goldenen Marktls" begründet hat. Die Wirren des Interregnums (ab 1250) ließen diese berühmte Messe zu Ardagger jedoch nach und nach zu einem kleinen bäuerlichen Lokalmarkt verkümmern. Dem Volksmunde nach wurde dieser Markt dann wegen der im 16./17. Jh. oftmals wütenden Pest auf den in gesünderer Höhe liegenden Kollmitzberg verlegt, wo er anfänglich vierzehn, später acht Tage lang gedauert haben soll.
So kam es, dass hier heroben bei der alten Wallfahrtskirche der heute noch abgehaltene "Schusterkirtag" seinen Anfang nahm. Der Name rührt daher, weil auf diesem Markt bis vor kurzem noch fast ausschließlich Schuhwaren, vor allem Lederstiefel, feilgeboten worden sind. Dies ist bestimmt kein Zufall, und vermutlich ist hier eine uralte Tradition im Spiele, denn schon im mittelalterliehen Ardagger galten Tierhäute und Leder als spezielle Handelsartikel! Noch um die Jahrhundertwende, so erzählte die alte Kirchenwirtin, konnte man an die hundert Schusterstandel zählen! Von weit her, aus dem Wald- und Mühlviertel, ja sogar aus Wien sind die Schuhmacher mit ihren das ganze Jahr über verfertigten Waren hierher gezogen.

Seit dem ersten Weltkrieg sind nur mehr der Samstag und Sonntag der Quatemberwoche die markanten Markttage. Sank während des zweiten Krieges die Standelzahl auf einige wenige herab, so begann nach 1948 der Jahrmarkt wieder schnell zu wachsen, und seither steigt der Zustrom der Marktfahrer, Schausteller und Besucher alljährlich ständig an. Aus dem beliebten Schusterkirtag unserer Großväter hat sich allerdings in den letzten Jahren immer mehr eine landwirtschaftliche Musterschau mit volksfestartigem Gepräge entwickelt.


Die St. Agatha Kirche in Eisenreichdornach

Nr. 4 - 1.8.1972 - 1. Jahrgang

Dr. Leopoldine Pelzl: ST. AGATHA - EISENREICHDORNACH

Nichts regte die Phantasie der Menschen im Amstettner Raum mehr an als das alte Agathakirchlein, das so unbegreiflich zwischen den Bauernhäusern von Dornach und Eisenreichdornach stand. Es war dem Verfall preisgegeben; im Innern verstaubter Prunk; erschreckend auf dem großen Hochaltarbild das Martyrium der hl. Agatha.- Das Volk umspann die Agathakirche mit einer herben Sage; Erinnerungen aus allen möglichen Epochen - ihre vermutlichen Jahreszahlen stehen in den Klammern - sind in der Sage verwoben: Der Graf von Eisenreichdornach (9. Jahrhundert) verschmäht die Tochter der reichen Freidegger (Glanzzeit um 1600) und heiratet deren arme, schöne, gute Verwandte, Agathe. Am Hochzeitstag wird sein Schloss vom Raubritter Scheck vom Walde (15. Jahrhundert) überfallen, der Graf getötet. Um das reiche Erbe zu gewinnen, verschleppen die Freidegger Agathe auf den öden Kollmitzberg, um sie zu ermorden. Der alte Graf von Karlsbach (16., 18. Jahrhundert?) rettet sie. Zum Dank errichtet Agathe die Kirche auf dem Kollmitzberg und für ihren toten Gemahl das Agathakirchlein (10. Jahrhundert).

Die wahre Geschichte ist indes auch hart genug. Eisenreichdornach schien berufen, ein kultureller Mittelpunkt zu werden, und war es auch seit frühesten Zeiten. Es ist vor allem klimatisch begünstigt. Nach den Verwüstungen der Völkerwanderung führten mächtige Herren, Kolonnen von untertänigen Jungbauern aus Süddeutschland herein. Ein Îsanrîch -"Eisen-d.i. Waffenreich"- machte Eisenreichdornach zum Zentrum eines weiten Besitzes. Entstammte er der damaligen Markgrafen-Familie, oder war er der Sohn König Arnulfs von Bayern? Beide lebten im ausgehenden 9. Jahrhundert Îsanrîch wird der Gründer der Burg gewesen sein, die auf der Anhöhe im Osten des Weilers stand und deren eingesunkene Palisadenwälle noch heute den bewaldeten Abhang durchziehen. Dornengestrüpp -"Dornach"- dürfte die Bauernhöfe zu Füßen der Burg vor den häufigen Feindüberfällen der damaligen Zeitgeschützt haben. Durch Empörung gegen den König kam es bei beiden Îsanrîch zu Güterverlust. In den späteren Jahrhunderten finden wir das niederbairische Kloster Metten in Besitz und Pflege der Herrschaft Eisenreichdornach. Die Güter lagen im Raum Dornach - Gschirm - Viehdorf - Leutzmannsdorf. Jeder neugewählte Abt kam nach Eisenreichdornach, um sich von den Bauern huldigen zu lassen.

Sogleich, vor etwa 1000 Jahren -so hat der Bautenhistoriker Univ. Prof. Dr. Klaar festgestellt- schufen die Mönche einen kirchlichen Mittelpunkt: Auf einem Tuffsteinhügel, umgeben von schützenden Sümpfen, freistehend, wie es sich für eine Kirche mit Friedhof geziemte, entstand die Kirche St. Agatha. Die Heilige genoss zu dieser Zeit hohe Verehrung. Meistens waren die Gotteshäuser damals bloße Holzbauten. St. Agatha aber wurde in Stein aufgeführt, mit großen Felsbrocken in der Grundfeste und Geröllsteinen der Ybbs im aufgehenden Mauerwerk. Kloster Metten hatte also mit seiner Kirche Großes vor. Doch niemals erhielt sie Pfarrechte. Sie besitzt keinen Taufstein, es finden sich Begräbnisstätten. Die Pfarre war zunächst in Winklarn. Bald erstand Metten in unserm Raum ein übermächtiger Gegner: der Bischof von Passau, geistlicher Herr an der mittleren Donau.



Im 11. Jahrhundert gründete er die St. Stefanskirche in Amstetten, sie erhielt von Winklarn die Pfarrechte. Auch schuf er sich dort eine "Amtsstätte", eine Güterverwaltung, die mehr und mehr. Grundbesitz an sich zog. Das hat dem Kloster Metten gewiss starke Einbußen gebracht. Und von da an ging es mit der Herrschaft Eisenreichdornach bergab. Einen schweren Stand hatte das Kloster überdies mit seinen Vögten. Es waren meistens die Herren von Seisenegg, die Kuenringer, die Wallseer. Sie trachteten nur, die Mettener Güter an dich zu bringen. Das gelang ihnen auch immer besser, seitdem ab dem 15. Jahrhundert kein Mönch mehr ständig in Eisenreichdornach lebte, um die Herrschaft zu verwalten. Doch für ihre Kirche taten die Geistlichen, was sie vermochten. Nach 400 Jahren war der karolingische Bau restaurationsbedürftig. Nun sollte er ein Gewölbe bekommen, wahrscheinlich mit einem freistehenden Pfeiler inmitten des Langhauses. Doch die alten Mauern waren zu schwach, und man gab auf. Den Gewölbeansatz und die Risse in der Mauer kann man noch über dem Eingangstor sehen. Anstelle der Luken des ersten Baues kamen gotische Spitzbogenfenster. Auch der Turm wurde ausgebaut.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war der Amstettner Raum schweren Feindeinwirkungen ausgesetzt: den Angriffen des Ritters Fronauer, der den Kaiser Friedrich III. ankämpfte, und der Eroberung des Ungarnkönigs Mathias Corvinus. Damals brannte auch die Agathakirche nieder. Abt Oswald I. nahm die Zerstörung zum Anlass, anstelle des alten Kirchleins ein großes Gotteshaus in gotischem Stil zu errichten. 1513 konnte ein herrlicher Altarraum eingeweiht werden, ein Glasfenster, das der Abt zum Andenken stiftete, berichtet es uns. Dann stockte der Bau, denn das Geld war ausgegangen. Der Abt hatte sogar mit dem damaligen Vogt, dem Emporkömmling, Andreas Krabat von Lappitz, Herrn auf Seisenegg, einen unseligen Vertrag geschlossen: Die Vogtei sollte erblich sein. Lappitz kam dadurch praktisch in den Besitz der ganzen Herrschaft Eisenreichdornach. Durch zwei Jahrhunderte musste das Kloster gegen diesen Vertrag prozessieren und verlor nur noch mehr Vermögen.

In den Stürmen der Reformationszeit war an einen Kirchenbau ohnehin nicht zu denken. Schließlich siegte der katholische Glaube, und die Kirchen wurden überall neu ausgestattet, in der rauschenden Pracht des Barocks. Am Beginn des 18. Jahrhunderts erhielt auch St. Agatha drei kostbare Altäre und eine Kanzel. Bairische Künstler schufen sie im Auftrag des Abtes Roman II., auf der Donau wurden sie herabgeschifft. Von der alten Einrichtung der Kirche blieben nur das Gestühl und einige gotische Figuren, die heute hohen Wert besitzen.

Als das Kloster an seinen Schulden erstickte, erklärte Kaiser Josef II. 1788 den Mettener Besitz in Eisenreichdornach verfallen. Der Herr von Riesenfels erwarb ihn und gliederte ihn seiner großen Herrschaft Seisenegg ein.

Das Schloss Eisenreichdornach war damals schon längst zerfallen. Wir besitzen kein Bild von ihm. Granitblöcke auf dem Platz, wo es sich einst erhob, vielleicht ein Torsteher an der Preinsbacherstraße, der als Pestmarterl dient, und ein wunderschöner granitener Türstock mit dem Mettener Lilienwappen im Hause Duda sind die letzten Zeugen seines Bestandes. Das Kirchlein war seit dem Abzug der Mönche vollends zwecklos geworden. Doch unberührt bewahrte es seine Schätze. Kein Kunsthistoriker wusste von ihm. Erst jetzt hat man beglückt seine ehrwürdige Schönheit entdeckt. Es wird mit hohen Kosten renoviert und zu neuem Dasein berufen: als Gotteshaus von Amstetten, das Eisenreichdornach einst den Rang abgelaufen hat.





Brauchtum um Sterben und Tod im Mostviertel einst und jetzt

Nr. 115 - 1 . November 1981 - 10. Jahrgang

BRAUCHTUM UM STERBEN UND TOD - einst und jetzt (von Oberstudienrat Dr. Rosine Schadauer)

Bräuche, die sich an den Ausgang des Lebens schlossen, dem dunkelsten allen Geheimnisse, finden wir in verschiedener Ausprägung zu aller Zeiten und bei jedem Volk. Immer sind sie religiös motiviert, wenn auch vom Aberglauben stark durchsetzt.

Wie stand man früher zu Alter, Krankheit und Tod? Nicht nur die Eltern, sondern auch nahe Verwandte und langjährige Bedienstete lebten und starben, im Gegensatz zu heute, meist dort, wo sie die besten Kräfte ihres Lebens in Liebe, Sorge und mit Arbeit verbraucht hatten. Krankheit und Tod wurden als Teil des Lebens verstanden und aus einer gläubigen Gesinnung heraus mit Fassung hingenommen. Man traf rechtzeitig Verfügungen über den meist bescheidenen Besitz und setzte im Testament einen bestimmten Betrag für Seelenmessen ein. Der Priester wurde vorsorglich zum Spenden der "Sterbesakramente" gerufen. Er trug einen weißen Chorrock, der Mesner oder ein Ministrant schritt ihm voran und läutete, sooft Menschen in Sicht waren. Diese knieten dann am Wegrand nieder, empfingen den Segen mit dem Allerheiligsten und bekreuzigten sich. Während der Priester dem Kranken die Beichte abnahm, die Wegzehrung reichte und schließlich die "Letzte" Ölung spendete, beteten Hausleute, Nachbarn und engere Verwandte in der Stube einen Rosenkranz. In jedem Haus bewahrte man für das "Versehen" ein eigenes Tischchen, eine mit religiösen Zeichen und Sprüchen bestickte "Versehdecke", einen Betschemel, ein Standkreuz, 2 Kerzenleuchter und geweihte Kerzen sorgfältig auf. Traf der Priester den Kranken nicht mehr lebend an, ging er "weiß" (im weißen Chorrock) in die Kirche zurück. Die Angehörigen waren in diesem Fall tief bekümmert.
Der Sterbende nahm, wenn er es vermochte, Abschied von den Seinen, sagte Dank und gab letzte gute Mahnungen, besonders für die Kinder. Eine Hand des Sterbenden, die eine brennende Kerze umschloss, hielt ein naher Angehöriger und sagte ihm zuweilen ein helfendes, tröstendes Wort. Mit Gebet geleiteten die im Sterbezimmer Anwesenden die Seele hinüber. Dem Toten wurden die Augen zugedrückt und dann mit nassen Läppchen oder Kupfermünzen beschwert. Diese Münzen wurden nachher verschenkt. Das Kinn wurde aufgebunden oder mit einem zusammengerollten Tüchlein gestützt. Im Sterbezimmer öffnete man ein Fenster, damit die Seele 'ausfahren' könne.

Die Uhren im Zimmer wurden zum Stehen gebracht. Die stehenden Zeiger sollten ein Bild des abgelaufenen Lebens sein. Man verhängte auch den Spiegel, weil man glaubte, er würde sonst erblinden. Der Tote blieb drei Stunden im Bette liegen, wurde dann gewaschen und schwarz bekleidet, nicht selten mit dem Anzug, den er zur Hochzeit getragen hatte. Nachbarn besorgten diesen letzten Liebesdienst und bekamen dafür das Bettuch des Verstorbenen und einige seiner Kleidungsstücke. Das Bettstroh wurde auf dem nächsten offenen Feld oder auch auf offenem Weg verbrannt. Dabei knieten die Hausleute und Nachbarn um das Feuer herum und beteten für den Toten.

Im Gebirge glaubte man, dass der Rauch die Seele zum Himmel trage. Die Leiche wurde auf den "Laden" gelegt, der auf zwei Holzschragen ruhte, oder auf eine Bank ohne Lehne. Zu Haupten des Toten brachte man ein Kreuz an und stellte ein Öllicht auf. Ähren oder Buchsbüschel in einem Gefäß mit Weihwasser dienten zum Besprengen des Leichnams. Die gefalteten Hände waren mit einer Bet'n (Rosenkranz) umwunden. Die Brust wurde mit Heiligenbildchen bedeckt, die man spendete, wenn man den Toten "anschauen" ging und ihm ein "Weihwasser gab". Die Leichen von Mädchen waren gewöhnlich weiß bekleidet. Der Sterbetag war ja der Jungfrauen "Ehrentag" (Hochzeitstag). - An dieser Stelle darf darauf hingewiesen werden, dass bis in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts hinein der Volkskrankheit Tuberkulose viele Jugendliche erlagen. 

An den Abenden zwischen Tod und Begräbnis kamen Nachbarn und nahe Verwandte im Trauerhaus zum 'Nachtwachen' zusammen. Am Beginn und am Ende betete man still beim Toten und gab ihm einen "Weihbrunn". Dazwischen betete man drei Rosenkränze, darunter einen für die "Armen Seelen", und sang "Totenlieder", deren Texte uns heute schaudern lassen. Einige Liedanfänge mögen dies zeigen:
Über Moder, über Leichen führt des Todes grauser Pfad. Unter seinen kalten Streichen fällt die junge Menschensaat. So hat er auch hier getroffen, in des Lebens Blütezeit, eines Vaters schönstes Hoffen, einer Mutter sel'ge Freud . . . . Jetzt, da ich ausgerungen habe des Lebens herbe Pein, so grabet mich im kühlen Grabe recht still und friedlich ein . . . Seht hier meine Ruhestätten, liebe Freunde, Nachbarn mein, ach sie ist ein schmales Bette, eine Wohnung eng und klein. Allen Menschen hier auf Erden wird zuteil sie einstens werden - heute mir, morgen dir.

War der erste, längere Teil der Nachtwache zu Ende, so wurden die Gäste mit Most, Hausbrot und Dörrobst bewirtet. Das Wachen dauert noch heute in einzelnen Ortschaften des Ybbstales über Mitternachthinaus.

Am Morgen des Begräbnistages versammelten sich im Trauerhaus die durch Leichenbitter geladenen "Freunde" (Verwandte), Nachbarn und Göd'nkinder des Toten. Sie wurden mit einem Frühstück bewirtet und gaben dem Verstorbenen einen Weihbrunn. Nach dem Abbeten von 5 Vaterunser oder einem Rosenkranz wurde der Sarg in das Vorhaus getragen. Dann folgte die Zeremonie des "Abbittens" oder "Urlaubnehmens". Der Sprecher war der Vorbeter oder Sargtischler. Ist auch der Text von Ort zu Ort verschieden, gemeinsam ist allen das Bedürfnis, den Lieben noch einen letzten Gruß und ein Wort des Abschieds zu sagen. Die naive Sprache trifft das Gemüt. Und so begann die Ansprache: "Gelobt sei Jesus Christus! Hiazt pfiat eng, alle Gott bei'nander; muaß eng heunt verlass'n. Bin oft ind' Kirch'n nach .... ganga und wieder hoam kemma, oba heunt kimm i neamer z'ruck. So pfiat di Gott, mein liebs Weib . . . ." Es folgte ein Abschiedsgruß und eine Mahnung an die Kinder, ein Pfiatgott an Nachbarn, Göd'n und Freund' und schließlich die Bitte um ein Gedenken und Gebet. Dann ging die Gattin hin, besprengte den Toten mit Weihwasser, machte das Kreuz über ihn und sagte: "So pfiat di Gott, mei lieba Mann, bis ma wieder z' samm kemman." Einzeln sagten die Kinder: "Pfiat'n Vatern ... Dank in Vatern für alles Guate!" Auch Nachbarn und Freunde verabschiedeten sich. Mancher setzte mit brechender Stimme hinzu: "Han di gern g'hat, Nachbar.' Dreimal senkten die Träger den Sarg aber die Türschwelle in Kreuzform und beteten dabei: "Gelobt sei Jesus Christus!" Alle antworteten: "In Ewigkeit Amen.' Mit dem Gesicht nach vorn wurde der Tote aus dem Haus getragen, denn schaute er zurück, starb bald jemand aus dem Hause nach. Der Sarg wurde auf einem gewöhnlichen Wagen zur Kirche gefahren. Der Kutscher, ein Nachbar, durfte sich nicht umschauen, sonst würde er dem Toten einen Kameraden suchen. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts schafften größere Gemeinden Leichenwagen an, die sie auch an kleinere verliehen. Aber immer noch und bis tief in unser Jahrhundert hinein wurden "kleine" Leute auf dem Ladewagen zum Grabe gefahren. Den Sarg eines Kindes trug ein Bursche oder ein Schulknabe auf den Armen, wobei ihm ein Tragband die Last erleichterte. Statt des Totenamtes las der Pfarrer dann ein Engelamt. Die Säuglings- und Kindersterblichkeit war durch mangelhafte Hygiene, durch den nicht selten tödlichen Ausgang von Kinderkrankheiten hoch. Junge Frauen erlagen immer wieder dem Kindbettfieber.

Die Begräbnisse waren noch in den zwanziger und beginnenden dreißiger Jahren nach den Kosten in aufwendige und schlichte geteilt. Bei einem Begräbnis zweiter Klasse blieb der Sarg während der Totenmesse vor dem Eingang zur Kirche stehen, auf dem Weg zum Friedhof gab nur ein Priester das Geleit, und es gab nur das "kleine G'läut". Ein trauriges Relikt aus einer Zeit, wo nicht einmal der Tod Gleichheit unter den Menschen schuf. Typisch für das Landvolk war, dass es bei Begräbnissen alles Gepränge vermied und dafür der Seele des Toten möglichst viel an Gebet zugute kommen ließ. Es gab damals keinen Luxus an Kränzen und Schmuck des Grabhügels. Ein einfaches Holzkreuz wurde aufgerichtet. Nach dem Begräbnis folgte die "Totenzehrung", eine reichliche Mahlzeit mit Suppe, Rindfleisch und Semmelkren und Kaffee mit einer Kaisersemmel. Von Städtern oft belächelt, ja verspottet, hat dieses Mahl seine Berechtigung in dem Umstand, dass die Trauergäste oft noch einen weiten Heimweg vor sich hatten, für den sie sich stärken mussten.

Im Schmerz um ihre Toten zeigten die betroffenen Angehörigen eine Fassung, ja eine heroische Haltung; so wenn ein Vater oder eine Mutter mit einer Schar oft unversorgter Kinder am Grab der Gattin oder des Gatten stand. "Der Stützpunkt ihrer Seelengröße, ihrer Hoheit im Leiden ist in wahrem Gottvertrauen zu sehen." Auch galt ein auffälliges Benehmen in Äußerungen des Schmerzes als unschicklich und wurde, wenn auch augenblicklich nicht getadelt, so doch nachher "beredet".

Zahlreich waren die Meinungen, die sich an den Tod, an die armen Seelen, an das Erscheinen von Toten knüpften. Man glaubte an eine Anmeldung im Augenblick des Todes: Türen gingen auf und niemand trete ein. Man höre Klopfgeräusche, Gegenstände fielen von der Wand. Schritte seien in einem leeren Zimmer zu vernehmen. Verstorbenen müsse man nicht allzu heftig und allzu lang "nachweinen", das störe ihre Ruhe. Hat der Tote fremdes Gut nicht zurückgestellt, so finde er nach dem Tod keine Ruhe er müsse "umgehen": In der Nacht erscheine er dann einem Verwandten oder guten Freund und sage, was ihm fehle, bezeichne auch den Ort, wo das unrechte Gut zu finden sei. Betet man für ihn und tut man das Geheißene so erscheine der Tote zuweilen wiederholt, aber immer "weißer", und zuletzt flattere die Seele auch wohl als weiße Taube zum Himmel auf, nachdem sie sich für die Erlösung bedankt habe.

Die Nacht gehöre den Geistern. Sie gingen besonders vom Ave Maria - Läuten des Abends bis zum nämlichen Glockenzeichen des Morgens um. Wenn ein Messer mit der Schneide aufwärts liege, so müsse eine arme Seele darauf reiten. Eine solche leide auch, wenn man Türen und Gatter stark zuschlage. Solange um die Hinterlassenschaft eines Verstorbenen gestritten werde, könne dieser keine Ruhe finden. Wenn das Feuer im Herde singt, liege eine arme Seele in der Pein. Man streue etwas Salz in die Flamme oder werfe Brotkrümchen hinein. Mit Weihwasser könne man die Qualen der armen Seelen lindern. Auch jetzt noch nehmen vorwiegend ältere Menschen in der Kirche reichlich Weihwasser und besprengen den Boden damit. Liebevolle Gesinnung bekundete damals wie heute die enge Beziehung der Menschen zu ihren Toten. Nur war es früher üblich, jedes Reden von ihnen einzuleiten mit den Fügungen: "Mein Vater, tröst ihn Gott, ...", "Mein Großvater selig" oder "Meine Mutter, Gott hab' sie selig . . ." oder "Meine Großmutter, Gott lass sie selig ruh'n!" Träumte man von einem Toten, so betete man für ihn. Zahlreiche Gebete und Gebetbücher gaben den Gläubigen viele Hinweise, wie sie ihren Verstorbenen helfen konnten. Man trachtete, Ablässe zu gewinnen, und brachte Opfer, die ihnen zugute kommen sollten. Manche frommen Stiftungen (Kreuze, Marterln, Kapellen, Kirchen, Klöster) verdanken dem Armen-Seelen-Kult ihre Entstehung. Manches Sozialwerk ist auf diesem Weg entstanden.



Alle Artikel über Brauchtum im Mostviertel:



Die Schifferzunft von Ardagger

Nr.13 - 1 . Mai 1973 - 2.Jahrgang

Markt Ardagger: Die Schifferzunft von Ardagger
(verfasst von Karl Kneissl)

Die beginnende Enge des Strudengaues machte Ardagger zu einem wichtigen Anlegeplatz. Hier wurden Lotsen auf die Schiffe genommen, um die gefährliche Fahrt durch den Struden zu gewährleisten. Die bekanntesten Nauführer waren die Freinhofer, Brandner und Bichlmeier aus Ardagger und Haas aus Dornach, der ebenfalls im Dienst des Ardagger Schiffmeisters stand. Aber auch Schopper (Zillenbauer) und Schiffsleute waren in der Schifferzunft vereint und tätig, im Ganzen über ein Drittel der Bevölkerung.

Der Schiffmeister war ein Unternehmer mit eigenen Schiffen und Pferden. Im ehemaligen Schiffmeisterhaus, Ardagger Nr. 1, kann man noch Stallungen für mehr als dreißig Pferde sehen. Der Ardagger Schiffermeister hatte auch den Treppelweg von Freienstein bis Ardagger in Ordnung zu halten.

Die Gegen- oder Treiberzüge (Bergfahrt) waren für Ardagger wichtiger als die Naufahrt (Talfahrt). Bis zu sechzig Pferden waren bei großen Gegenzügen in den "Buasen" oder "Faden" - so nannte man das Zugseil - eingeschlagen. Der Buasen war bis 700 m lang und 10 cm dick. Jedes zweite Pferd trug ein Holzbrett, auf der ein "Jodl" saß; er hatte zwei Pferde anzutreiben und zu betreuen. Das letzte und schwerste Pferd war meist ein Hengst, auf dem der "Afterreiter" saß. Vorne ritt der "Vorreiter" oder "Wagehals", der mit seinem Griffstangl die Tiefe des Wassers feststellte. Das war im Augebiet sehr wichtig, um die folgenden Pferde beim Durchreiten von Wasserstellen nicht zu gefährden. Weiters gingen einige "Aufleger" mit, die mit ihren Hebeböcken den Buasen über Stauden und Steinhindernisse hinwegrutschen ließen; und schließlich war ein "Seilreiter" bestimmt, der nach beendeter Fahrt die Seile zusammenstreifen musste.

Die Schiffsleute befanden sich auf dem Schiffszug. Vorne war die Storz- oder Furkelzille, wo auf einer Gabel der schwere Buasen auflag. Diese Zille war am meisten gefährdet. Ihr folgten die Ross- und die Seilplätte, und von dort ging der Buasen zum ersten Kehlheimer, genannt Hohenau. Auf ihr befand sich der Kapitän oder "Kranzelmeister", der den ganzen Schiffszug leitete. Im nächsten Schiff, der "Nebenbei", waren der Schiffsschreiber und im folgenden, "Schwemmer", der Schiffskoch untergebracht. War noch ein viertes Schiff dabei, so hieß das die "Schwemmer-Nebenbei" oder das "Bummerl". Vorne im Kehlheimer stand der Storzknecht, der mit seinem über drei Meter langen Spannholz das Schiff vom Ufer abhalten musste. Weiters befand sich noch ein "Sößtaller" auf jedem Schiff, der mit seiner Söß das eingedrungene Wasser ausschöpfte. Die Steuerruder wurden von den "Sturern" bedient. Jedes Schiff besaß einige "Waidzillen", die der Sicherheit und Uferfahrten dienten. Der Kehlheimer war nach der Stadt Kehlheim in Bayern benannt, wo diese Schiffsgattung zuerst gebaut wurde. Er war 40 m lang, 6 m breit, an die 2 m tief und konnte mit ganzen 2000 Zentnern beladen werden.

Die Plätten dienten zum Übersetzen der Pferde und Seile beim Uferwechsel. Dazu wurden die Plätten hinübergesprengt und dann der Schiffszug nachgezogen. Das Hinübersprengen ging auf folgende Weise vor sich: Ein sehr langes Seil befestigte man mit dem einen Ende am Ufer und mit dem anderen seitlich hinter dem ersten Drittel der Plätte. Nach der Beladung mit Pferden und Seilen wurde die Plätte durch das Steuer schräg gestellt und kam wie eine Rollfähre in Bewegung. In der Flussmitte hängte man das Seil an der Plätte aus, und mit Schwung erreichte diese das gegenseitige Ufer. Wegen dieser komplizierten Manöver und bei ungünstigem Wind und Wasserstand legte man im Gegentrieb oft nur 15 km am Tag zurück.

So ein Treiberzug brachte an die zwanzig Schiffs- und über dreißig Floßleute in unseren Ort. Hier war das große Umspannen, denn für die Weiterfahrt genügten oft zehn Pferde. Wetter oder Wasserstand zwangen oft zu längerer Rast. Da war dann in Ardagger Hochbetrieb . Die Schiffsleute erhielten zu ihrem Lohn noch täglich einen Gulden Kostgeld. Mit ihren schwarzen Barchentjankern, den hohen Stiefeln und den großen, runden Scherbalkhüten beherrschten sie das Straßenbild. Aber auch drei Schmiede zum Beschlagen der gefürchteten und bissigen Schifferpferde hatten genug zu tun. Diese Pferde wurden mit besonders breiten Huf versehen. Oftmals hielt man einen Schifferball ab. Dazu kamen die Besucher aus nah und fern. In den Gasthäusern blühte der Handel. Die Schiffsleute handelte mit Zillen, Tabak, Wachs und Honig sowie Stoffen und Schuhen und verdienten sich damit zusätzliches Geld.

Am Tag der Weiterfahrt war vor fünf Uhr alles fertig, die Pferde waren eingeschlagen. Beim Gebetläuten kniete der Kapitän auf seinem Kehl nieder, um Gott die Ehre zu erweisen. Dann aber rief er: "Über olle Wossa, in Gottes Nom', hauts eini, fohrn ma on!" Weiter ging es mit Gejodle und Geschrei. Die Schiffszugreiter wurden ja wegen ihres Geschreis Jodeln genannt. Ein alter Schifferaberglaube verbot das Pfeifen, damit kein gefährlicher Wind herbeigerufen werde. Ein Schiffer musste auch ein Nichtschwimmer sein, damit er sich nicht leichtfertig in Gefahr selber retten könne. Ertrank ein Schiffer, so fischte man seinen Hut auf und befestigte ihn gut sichtbar am ersten Schiff, um Wind und Donau das Opfer zu zeigen und sie zu beschwichtigen.

Die Zeit blieb nicht stehen. Westbahn und Dampfschiff brachten die Treiberzüge zum Erliegen. Auch die mächtige Zunft löste sich auf. Nur die Naufahrt und die Flößerei haben sich bis in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg erhalten. In Erinnerung sind ja noch die von Stechvieh Boißl in den Endjahren der Schifferzunft durchgeführten Kälber- und Schweinefuhren nach Wien. Die letzten Naufahrten führte Unternehmer Karl Reitner durch, der vor siebenunddreißig Jahren letztmals Obst am Wasserweg verfrachtet. Noch an zwei Männer können sich die älteren Bewohner unseres Ortes erinnern: an den Schopper Johann Höbarth, vulgo Roiß, und an Freinhofer Poldl. Dem war es Stolz und Ehre, die früher Überall bekannten großen Faschingsumzüge der Zunft weiterhin zu erhalten. Er war der Letzte, der sich beim Faschingszug auf einer Plätte, das Steuerruder führend, durch den Ort fahren ließ.


Die alte Schiffaht ist tot. Die Ordinarischiffe für den Personenverkehr und die schweren Kehlheimer beförderte man schon seit 1850 mit Dampf stromaufwärts. Nur im lokalen Schiffsverkehr bediente man sich noch der Pferde. 1873 zogen ein paar Rösser zum letzten Mal ein solches Schiff die Donau herauf - das war vor genau hundert Jahren.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Mühlen-Chronik aus dem Raum Amstetten (mit Übersichtsliste aller Mühlen)

Nr. 141 - 1. Jänner 1984 - 13. Jahrgang

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach - Eine kleine Mühlen-Chronik (von Gerhard Smekal)

An den Flüssen und Bächen unseres Heimatbezirkes standen einst viele Getreidemühlen und Brettersägen, deren Entstehung man bei einzelnen bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Einige wenige davon sind bis heute erhalten geblieben. Diese wurden den neuzeitlichen Anforderungen angepasst.

Die hölzernen Mühlenräder und einfachen Brettersägen mussten leistungsfähigen Turbinen und Gattern weichen. An einigen ehemaligen Mühlenstandorten sind große Industrien entstanden (Neusiedler AG, ehemalige Stumpenfabrik in Amstetten, Hopferwieser, Umdasch).

Eigentlich ist die Entstehungsgeschichte der Mühlen uralt. In urgeschichtlicher Zeit bediente man sich zum Mahlen der Getreide- und getreideähnlichen Samen der Handmühle. Diese bestanden aus einer Steinplatte und einem gut in der Hand liegenden Mahlstein. Ein großer Fortschritt war der Stampfmörser. Um 600 v.Chr. waren den Etruskern schon einfache, mit der Hand zu betreibende Mühlen bekannt.

Seit dem Mittelalter bediente man sich der Kraft des Windes und des Wassers zum Betrieb von Mühlen. Diese Mühlen waren zumeist Herrschafts- oder Klosterbesitz und befanden sich bei uns an wasserreichen Bächen oder Flüssen. Die Mühlen wurden im älteren deutschen Recht besonders geschützt (Mühlenfriede). Die Befugnis zur Errichtung von Mühlen war ursprünglich ein Teil des Gemeingebrauchs von Gewässern. Später entwickelte sich ein Mühlenbann, auf Grund dessen das Recht zum Betrieb von Mühlen der Obrigkeit oder dem Grundherrn vorbehalten wurde, und ein Mühlenzwang, wodurch die umliegenden Dörfer zur Benutzung einer herrschaftlichen Mühle gezwungen wurden.

Die Einsamkeit der Getreidemühlen, ihr Standort - schon wegen ihres lärmenden Ganges - oft außerhalb des Dorfes und der Dorfgemeinschaft, war geeignet zu geheimen Treffen. Sie galt als Ort der Ausschweifung. Im 15. und 16. Jahrhundert gab es eine ausgesprochene Mühlenprostitution - Mühlen und Mahlen wurde seit der Antike mit erotischen Gedanken in Verbindung gebracht. In der Literatur findet man immer wieder die schöne ungetreue Müllerin.

Im Volkslied spielt die Mühle und der Müller eine besondere Rolle. Schon als Kinder in der Schule sangen wir: "Es klappert. die Mühle am rauschenden Bach, bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach…". "In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad .... ". "Da drunten im tiefen Tal, da treibt das Wasser ein Rad“.
Wer kennt nicht Schuberts Müllerlieder, wer nicht Wilhelm Buschs Verse und Zeichnungen aus Max und Moritz über das Ende des bösen Buben in der Mühle.

In der Welt der Sage spielt der Müller eine besondere Rolle. So finden wir im Mostviertler Sagenbuch: "Das verhexte Vieh in der Stiefelmühl". 'Der Frauenstein bei der Haidenlachmühl" und das "Kreuz bei der Haidenlachmühl".

Jede von der Bezirkshauptmannschaft gewerberechtlich genehmigte Mühle wird in das Wasserbuch eingetragen und erhält ein sogenanntes "Haimzeichen", damit wird die Wasserausnutzung (Stauanlage) gekennzeichnet. Wird die Mühle aufgelassen, muss der Besitzer innerhalb 3 Jahren kundtun, ob er das Wasserrecht aufrechterhalten will; wenn nicht, wird das Haimzeichen entfernt. Als Haimzeichen diente eine meistens 32 cm lange und 15 cm breite Eisenplatte mit den Anfangsbuchstaben des Besitzers und der Jahreszahl der Anbringung, diese wurde an einer bestimmten Stelle des Hauses eingelassen.

Im nachstehenden werden die im Gerichtsbezirk Amstetten vorhanden gewesenen Mühlen angeführt, in Klammer die Jahreszahl der ersten urkundlichen Nennung und die Auflassung der Mühle:

Amstetten: Schrotmühle ( 14i9-1827) ‚ Breitmühle ( 1908-1968) ‚ Winklermühle (1567-1950), Klostermühle (1285-1945), Edlmühle (1316-1962), Weiderhammer (1435-1916), Kelbermühle (1660-1749), Bergermühle (17501978), Ranspergmühle (1316-1962) Mauer: Gobetsmühle (1435-1926).
Hausmening: Hofmühle (1305-1867), Haidmühle (1305-1870), Stiefelmühle (1305-1862).
Stift Ardagger: Kochmühle (1429-1943), Schopfmühle (1462-1749), Schmiedmühle (162-1963), Salzmühle (1462-1943), Wiesmühle (1462-1910).
Kollmitzberg: Felleismühle (1488-1900), Niedermühle (1930 aufgelassen),Habermühle (1920 aufgelassen). Stephanshart: Aigenmühle (1445-1890), Obermühle (1462-1930), Mittermühle (1950 aufgelassen), Schrammelmühle (1900 aufgelassen), Niedermühle (1942 aufgelassen), Mühle am Zeidlbach (1568-1950).
Euratsfeld: (Feldmühle (1527- heute), Haslaumühle (1527 - heute), Bruckmühle (1435-1945), Holzhausmühle (1435 - heute), Pichlmühle (1550-1976) Winklmühle (1435-1660), Ungmachmühle (1470-1930), Grabenmühle (1660-1890), Höllmühle (1591-1930).
Ferschnitz: Hametmühle (1449-1750), Kratzmühle (1449-1980), Leitenmühle (1449-1939)
Neuhofen an der Ybbs.: Urbasmühle (1676-1947), Haidenlachmühle (1526 - heute), Staudenmühle (1435 - heute), Kothmühle (1316-1867), Talmühle (1527-1945), Steinmühle (1316-1947), Karlsmühle (1587-1816), Elzbachmühle ( 1435-1749) ‚ Zauchmühle (1316-1950).
Neustadtl an der Donau: Straßmühle (1442-1966), Taubmühle (1960 aufgelassen), Tannamühle (1449-1940) ‚ Berghof: Lindmühle ( 1362-1940) ‚ Hofmühle (1950 aufgelassen), Windpassung: Polzmühle (1919 aufgelassen), Käfermühle (1333-1940), Blumaumühle (1430-1975). Nabegg: Moosmühle (1650-1945), Mittermühle (1930 aufgelassen)
Öhling: Öhlermühle (1292-1912), Lederleitenmühle (1447-1968), Gratzmühle (1408-1874), Nagimühle (1491-1930)
Krahof: Führamühle (1466-1941), Haselmühle (1324-1960), Ölsitzmühle (1569-1955), Lexmühle (1591-1950)
Seisenegg: Klausmühle ( 1324-1980) ‚ Teichmühle (1449-1945).
Wallsee-Sindelburg - Igelschwang: Stanglmühle ( 1449-1959) ‚ Grubmühle (1449-1925). Ried: Hackermühle ( 1449-1930) ‚ Veitlmühle (1449-1958), Grabenmühle (1449-1925), Jeprixmühle(1449-1910), Sehweinberg: Waltermühle (1449-1954).
Winklarn: Mühlau (1316-1850); Zeillern: Hofmühle (1462-1925), Friedlmühle (1462-1925)‚ Brunnmühle (1462-1925) ‚ Mühle zu Schörghof (1456-1925).

Quellennachweis
Korneuburger Kulturnachrichten Jhg. 1978, Heft 3 u. 4
Steinkellner Franz: Archiv, Hof- und Herrschaftskarten
Weigl Heinrich: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich 8 Bde.
Die Daten der Auflassung wurden auf Grund eigener Erhebungen des Verfassers eingetragen