Sonntag, 8. Januar 2012

Aschbach – „Landts-Firstlicher-Marcht“

Nr. 143 - 1. März 1984 - 13. Jahrgang

Aschbach – „Landts-Firstlicher-Marcht“
von HOL Hans Gugler

Im Herzen des Mostviertels liegt die älteste Gemeinde des Bezirkes Amstetten: Aschbach Markt. Knapp 3200 Einwohner leben in dieser Marktgemeinde auf einer Fläche von 37 km2. Diese Ausdehnung erlangte Aschbach durch den Zusammenschluss mit den Gemeinden Krenstetten und Mitterhausleiten im Jahre 1971, nachdem sich nach dem Zweiten Weltkrieg schon die Gemeinden Dorf Aschbach, Oberaschbach und Abetzberg mit dem Markt vereinigt hatten. Auf einem Hügel, umwunden von der Url im Süden, dem Kumpfmühlbach im Westen und dem Zierbach im Osten, entwickelte sich das Marktgebiet zur heutigen Größe, während sich die übrige Fläche vom Ybbstal über die Hügel des Alpenvorlandes bis hin zum Tal der Donau erstreckt.

Der Name Aschbach wird vom Fisch "Äsche" abgeleitet. Deshalb zeigt das Aschbacher Wappen den Doppeladler mit einem Fisch in der Mitte. Historiker meinen aber, dass der Name eher auf die "Espe", die Zitterpappel, zurückzuführen sei.

Die Geschichte des Marktes reicht weit in die Vergangenheit zurück. Dass einst Kelten in unserem Gebiet wohnten, ist anzunehmen, ist doch die Bezeichnung "Url" keltischen Ursprungs, was soviel wie "Gewundene" heißt. Aschbach dürfte schon als Römersiedlung bestanden haben. Grabsteinfragmente, Tonscherben und Münzen wurden gefunden. Schon damals führte der später so genannte Flötzersteig über Aschbach gegen Steyr; eine Verbindungsstraße ging zur Limesstraße auf der Höhe der heutigen Autobahn, und eine Straße ybbsaufwärts. Im Mittelalter durchzog die sogenannte Salzstraße - vom Ybbs- zum Donautal - Aschbach. Der Ort ist also am Schnittpunkt bedeutender Verkehrswege entstanden.

Zum ersten Mal scheint der Name Aschbach in einer Bestätigungsurkunde über Schenkungen Kaiser Karls des Großen an das Domstift Passau im Jahre 823 als "asbahe" auf. Wenngleich auch die Echtheit dieser Urkunde nicht völlig gesichert ist, stellt sie doch einen Beweis für das hohe Alter des Ortes dar. Als weiterer Beweis dafür gilt unsere Martinskirche. Aschbach war Urpfarre! Das Pfarrgebiet erstreckte sich nach Norden bis zur Donau und nach Süden über das ganze Ybbstal bis an die steirische Grenze. Natürlich haben sich nach und nach um entstandene Siedlungen neue Pfarren gebildet und von der Mutterpfarre abgespalten. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte Aschbach unter den Babenbergern seine mittelalterliche Blüte. Der Salz- und Eisentransport wurde über Aschbach abgewickelt. Das Meilenrecht und das Privileg des Straßenzwanges, das Stapelrecht und das Niederlagsrecht war Aschbach zueigen und unterschied es von vielen Orten. Den Höhepunkt an Bedeutung erreichte Aschbach, als der Babenbergerherzog Leopold VI. Aschbach das Marktrecht verlieh, das dem Recht der Stadt Enns gleich war. Er wollte aus Aschbach einen landesfürstlichen Mittelpunkt schaffen und ihm auch das Stadtrecht verleihen.

Aber aus Geldnot musste der Landesfürst Aschbach immer wieder dem Bischof von Freising verpfänden. Der benachteiligte den Ort, wie er nur konnte, um den Aufstieg seiner eigenen Stadt, Waidhofen an der Ybbs, zu fördern. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts schwindet die Bedeutung Aschbachs. Unter der Türkenzeit wurde Aschbach oftmals geplündert. Der Dreißigjährige Krieg laugte den Markt weiter aus. Durchziehende Heere mussten verköstigt werden. Die Bevölkerung wurde drangsaliert. Den Rest gab die Pest im Jahre 1679, die Aschbach heimsuchte. Wiederholt brannte der Markt - im Jahre 1708 39 Häuser. Im Österr. Erbfolgekrieg wurde der Markt vom Feind wieder gebrandschatzt, die österr. Truppen des Generalfeldmarschalls Khevenhüller, die in Aschbach stationierten, mussten verköstigt werden. Unter Kaiser Joseph II. wurde Aschbach - bis dahin "OÖ Einlagsuntertan" - an Niederösterreich angegliedert. Napoleons Truppen plünderten unseren Markt. Der Bau der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, mit dem Spatenstich am 1. Mai 1857, belebte die Wirtschaft Aschbachs wieder. Noch einmal brannte Aschbach, 25 Häuser würden im Jahre 1885 ein Raub der Flammen. Die beiden Weltkriege trafen Aschbach nicht unmittelbar, obwohl viele Söhne der Gemeinde ihr Leben lassen mussten. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachten die Russen, die am 9. Mai 1945 in unserem Markt einmarschierten. Noch einmal wurde Aschbach Metropole des Mostviertels: Aschbach wurde russische Divisionsküche. Fünfzig Bäcker arbeiteten in drei Schichten, täglich wurden 20 Rinder geschlachtet. Die russische Besatzung zwischen Enns und Sankt Pölten wurde von Aschbach aus versorgt.

Auch diese Zeit wurde überwunden. In Aschbach packte man mit beiden Händen zu. Man baute auf, verschönerte, schuf Neues. Unser Markt ist ein Zentrum des Mostviertels, ein Mittelpunkt der Landwirtschaft, und Handel und Gewerbe blühen.

Landwirtschaftlich gesehen, stellt Aschbach ein Muster von Umsicht, Fleiß und Investitionsfreudigkeit dar. Die Bauern haben sich zwar in den letzten Jahren spezialisieren müssen, aber ob sie Milchwirtschaft, Geflügel-, Schweine- oder Rindermast betreiben, beinahe jeder führt seinen Vierkanter mustergültig - und ist stolz darauf, ihn herzeigen zu können. Zweifellos haben Gründung und Ausbau des Genossenschaftswesens den Bauern zwischen Enns, Donau und Ybbs eine gesicherte Milch-, Fleisch- und Getreideerzeugung und -verwertung ermöglicht. Molkerei und Lagerhaus schufen darüber hinaus für viele Aschbacher entsprechende Arbeitsplätze. Nicht unerwähnt darf der Geflügelhof Fehringer bleiben, der 104 Bauern in Aschbach und Umgebung als Lohnmäster eine interessante und einträgliche Produktionssparte ermöglicht. Rund 300 Arbeitnehmer verdienen in diesem Betrieb ihr tägliches Brot.

Wenn man sagt, dass Handel und Gewerbe blühen, so lässt sich feststellen, dass in den letzten Jahrzehnten zwar einige Gewerbebetriebe verschwunden sind, aber andere dazukamen. Aschbach kann heute auf 58 Erzeugungs- und Dienstleistungsbetriebe zählen. Rund 550 Aschbacher finden Arbeit in der eigenen Gemeinde, nur ein Teil pendelt mit der Westbahn bzw. mit dem PKW aus.

Das Kulturleben in Aschbach wird durch das Kulturreferat, die Musikschule der Gemeinde mit über 200 Schülern und von den zahlreichen äußerst aktiven Vereinen geprägt. Durch das ganze Jahr wird der Bevölkerung von Aschbach und Umgebung eine breite Palette an Kursen, Vorträgen, Konzerten und viel Unterhaltung geboten. Nicht zuletzt versuchen die Verantwortlichen der Gemeinde, in wirtschaftlicher und kultureller Sicht Traditionen weiterzupflegen und dem Fortschritt offen zu sein.

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