Mittwoch, 15. August 2012

Die Demarkationslinie bei Enns während der Besatzungszeit 1945-1955

Nr. 186 - 1. Oktober 1987 - 16. Jahrgang

Die Demarkationslinie während der Besatzungszeit 1945 - 1955
(von Josef Plank, Vzbgm. d. Gde. Ennsdorf)

Die letzten Tage vor Errichtung der Demarkationslinie
Die Befehle zur Verteidigung Oberösterreichs lagen in den Händen des Gauleiters August Eigruber von Oberösterreich, der als Reichsverteidigungskommissar dazu berechtigt war. Der niederösterreichische Gauleiter Dr. H. Jury, übergab ohne Wissen des Oberbefehlshabers, Dr. L. Rendulic, die Verteidigungsgewalt über den restlichen nieder­österreichischen Teil an A. Eigruber. Der versuchte noch über Betreiben der Amstettner Parteifunktionäre, entlang der Ybbs bis Amstetten und von dort bis Kollmitzberg eine Verteidigungslinie auszubauen.
Man hob Schanzen, Splittergräben und Panzerdeckungslöcher aus, doch wurden sie nicht benützt. Im März 1945 wurde das Gemeindegebiet von Ennsdorf Kampfgebiet.

Am 28.März bezogen ehemalige deutsche Infanterieeinheiten (ca. 800 Mann) die Stellungen in Ennsdorf. Ferner befanden sich im Gemeindegebiet Flakeinheiten und Truppen der OT (Organisation Todt). Am 5. Mai 1945 wurden diese Truppen durch SS - Verbände abgelöst. Bereits am 7. Mai um 15.00 Uhr trafen sich Offiziere der Waffen-SS und der amerikanischen Truppen auf der Mitte der Ennsbrücke zu Verhandlungen. Jedoch nach 10 Minuten wurde diese Verhandlung ergebnislos abgebrochen. Ab 19 Uhr nahmen amerikanische Granatwerfer Ennsdorf unter direkten Beschuss.
Ziel des bis 24 Uhr anhaltenden Granatwerferfeuers war es, die Stellungen der Waffen-SS, Funk- und Beobachtungsstellen zu zerstören. Nach einer kurzen Feuerpause ver­suchten amerikanische Einheiten, von Enns kommend, über die Ennsbrücke nach Ennsdorf vorzudringen. Durch starkes MG-Feuer der Waffen-SS waren die amerikanischen Truppen zum Rückzug gezwungen. Anschließend setzte schweres Granatfeuer von amerikanischer Seite ein, es dauerte bis gegen 2 Uhr früh. Die Verbände der Waffen-SS zogen sich an den nahen, östlich von Ennsdorf gelegenen Wald zurück.
Um ca. 4 Uhr früh wurde Ennsdorf von den amerikanischen Einheiten eingenommen.
Zwei Tage nach der Besetzung durch die Amerikaner, am 10. Mai also, kamen die Soldaten der Sowjetunion, sie übernahmen von der amerikanischen Besatzungsmacht das Dorf.
Es fand keine Übergabe statt. Die amerikanische Einheit verließ einfach das Territorium und zog sich auf die andere Seite des Ennsflusses zurück.

Die Errichtung der Demarkationslinie
Durch den Verlauf der Demarkations­linie „Ennsfluss“ wurde das kleine Dorf ein Kontrollpunkt der sowjetischen Besatzungsmacht.
Die Züge wurden angehalten und von den Streifen der Besatzungsmächte (auf oberösterreichischer Seite durch die Amerikaner, auf niederösterreichischer Seite durch die Russen) kontrolliert. In den ersten Tagen war die Ennsbrücke überhaupt gesperrt. Nach langen, zähen Verhandlungen der österreichischen Regierung mit den Vertretern der Besatzungsmächte wurde vorerst der „Passierschein"ausgestellt. Im Dezember 1945 gab es die viersprachige „Alliierte Reiseerlaubnis" (rosa Karte), be­fristet für 6 Monate. Im Mai 1946 wurde diese „Alliierte Reiseerlaubnis" für die Dauer ausgestellt (rote Karte). Dazu kam bis zum Staatsvertrag der „Identitätsausweis" (gelb).
Im Bauernhof des Landwirtes Ploch­berger (heute Zittmayr) wurde die russische Kommandantur einge­richtet. Für die Unterbringung der Soldaten zog man auch den Gasthof Jandl (jetzt „Zum grünen Paprika") heran. Die strenge Kontrolle an der Ennsbrücke wurde für die Durch­führung des 1. Österreichischen Radrennens am 25. April 1952 ge­lockert. Ein zweites Mal war dies der Fall als die Pummerin die Ennsbrücke passierte.
In den fünfziger Jahren kam wieder das gewohnte Leben auf, die russischen Soldaten sah man als ein vorhandenes Faktum an. Die Bekanntgabe des Staatsvertrages löste allgemeine Freude aus. Am 22. August verließ der letzte russische Soldat das Dorf.

Das Leben hinter der Demarkationlinie 
Die Geschicke der Gemeinde wurden ab Mai 1945 von folgenden Bürgermeistern geleitet:
08.05.1945-07.01.1946 - Matthias Pölzl
07.01.1946-28.06.1947 - Michael Messelberger
28.06.1947-18.05.1952 - Johann Schmidt
19.05.1952-27.04.1960 - Franz Steinbauer
27.04.1960-laufend - Johann Zauner

Interessantes aus den Gemeinderatssitzungen der Jahre 1945 - 1955
7. 1. 1946
Das Ergebnis der Waldbegehung ergab, dass der Gemeindewald fast zur Gänze geschlägert werden musste. Dieses geschlägerte Holz durfte über die Gemeindegrenze hinaus nicht verkauft werden. Laut Forstdirektion Waidhofen waren auch private Waldbesitzer von der Schlägerung betroffen.
5. 2. 1946
Betreffend die Ausstellung "Alliierter Reisepässe" erklärte der Bürgermeister, dass seine Vorsprache bei der BH Amstetten, Passabteilung, ergebnislos verlaufen sei: Die Ausstellung von Reisepässen wird auch weiterhin nur in beschränktem Umfang erfolgen. Außerdem erscheint die Möglichkeit eines kleinen Grenz­verkehrs zwischen Ennsdorf (NÖ) und Enns (OÖ), russische Zone ‑
amerikanische Zone, nicht gegeben.
Ferner teilte der Bürgermeister mit, dass neuerlich 50 m3 Holz zu liefern seien, demnach hätte die Gemeinde Ennsdorf insgesamt 150m3 Holz an die Rote Armee zu liefern.
9. 4. 1946
Punkt 3 dieser Tagesordnung lautete "Ortshilfe". Es wurde für diese Angelegenheit ein Ausschuss bestellt, dessen Aufgabe darin bestand, die Interessen des Arbeitgebers einerseits und des Arbeitnehmers anderseits
zu vertreten. Weiters wurde ein Wohnungsausschuss zur Erfassung aller bestehenden und freiwerdenden Wohnungen geschaffen.
7. 5. 1946
Aufgrund einer Waldbegehung wegen Borkenkäferbefall wurde beschlossen, sofort mit der Holzschlägerung zu beginnen, um den Jungwald zu retten.
14. 8. 1946
Der Bürgermeister berichtete, dass die Gemeinde Ennsdorf 39 Waggon Kartoffeln und ungefähr 10 Tonnen Brotgetreide zu liefern habe.
27. 10. 1946
Gründung eines Geschäftsausschusses, der für die Verteilung von Bekleidungsstücken, Schuhen und Fahrrad­bereifung verantwortlich war.
16.11. 1946 
In der oa. Gemeinderatssitzung wurde die Aufnahme eines Gemeindesekretärs beschlossen, der spätere Bürgermeister Johann Schmidt.
17. 3. 1947
Tagesordnungspunkt II: Aufrechterhaltung eines Krankenhauses und Altersheimes in St. Valentin. Der Gemeinderat fasste den Beschluss, Krankenhaus und Altersheim aufrecht zu erhalten.
16. 5. 1947
Laut Mitteilung der Landesregierung war für die Aufbringung von Schlachtvieh ein Kontrollausschuss zu bilden. Es waren zwei Produzenten (Landwirte) und ein Konsument namhaft zu machen.
3. 12. 1950
Bundespräsident Dr. Karl Renner wird in Würdigung seiner großen Verdienste für die Republik Österreich anlässlich seines 80. Geburtstages gemäß § 8 der NÖ Gemeindeordnung das Ehrenbürgerrecht verliehen.
5. 8. 1953
Am 18. Juli wurde Ennsdorf von der größten Unwetterkatastrophe seit Jahren heimgesucht. Die Erhebung ergab, dass im Gemeindegebiet ca.
400 Obstbäume entwurzelt waren. Ferner wurden mehrere Dächer abgedeckt, mehr als 20.000 Dachziegel wurden abgehoben - zerstört. Weiters waren mehrere Telefonmaste umgeworfen.

Diese Auszüge aus den Gemeindeproto­kollen sollen die Arbeit in der Gemeindestube "Seinerzeit" wiedergeben.
18. 4. 1948
Mit 1. April 1948 wurde in Ennsdorf eine Expositur der Gendarmerie St. Valentin mit zwei Gendarmen errichtet. Die Unterbringung erfolgte im Haus Ennsdorf Nr. 33 (bekannt als „Altes Posthaus").
17. 10. 1948
Da das Krankenhaus in Langenhart/St.Valentin keinen rechtlichen Besitzer hatte, sollte es in das Eigentum aller im Gerichtsbezirk Haag befindlichen Gemeinden übergehen. Es war beabsichtigt, das Krankenhaus als "Spitalsverein" zu führen und einen Förderungsbeitrag einzuheben. Da erfahrungsgemäß die erkrankten Gemeindebürger überwiegend in den Krankenhäusern Enns und Linz Aufnahme finden, wurde von einem Beitritt Abstand genommen.
26. 5. 1949
Der Bürgermeister gab bekannt, dass am 16. Mai Herr Hofrat Dr. Ing. Jung des Amtes der NÖ Landesregierung zur Feststellung etwaiger günstiger Wasservorkommen für ein Wasserversorgungsanlage verschiedene Erhebungen durchführen ließ. Dies Erhebungen ergaben jedoch nicht die erforderliche Wasserergiebigkeit. Es wurde daher beschlossen, betreffen einen Anschluss an die Wasserversorgung der Stadt Enns sofort Kontakt aufzunehmen.


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