Sonntag, 23. September 2012

Die Lage des flachen Landes um Wien und von Unter-Österreich, vor, während und nach der zweiten türkischen Belagerung 1683


In  "Österreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde" gibt es einen interessanten Bericht über die Zeit um die Türkenbelagerung und das Leben und die Leiden der Bevölkerung

Die Lage des flachen Landes um Wien und von Unter-Österreich, vor, während und nach der zweiten türkischen Belagerung

 (von Joseph Scheiger, 1835)


Wiens zweite Belagerung war ein für Europa so wichtiges Ereignis und von so außerordentlichen Umständen begleitet, dass es uns nicht wundern darf, eine bedeutende Büchersammlung aus den in mehreren Sprachen geschriebenen Beschreibungen derselben gebildet zu sehen. Daher muss es umso mehr befremden, dass noch bis heute eine ausführliche, raisonnierende, den Forderungen der Kriegswissenschaft und Kriegsgeschichte genügende Darstellung derselben nicht geschrieben worden – ein Unternehmen, welchem jene zahlreichen, teils unvollständigen, teils unrichtigen, meist sehr einseitigen Schilderungen höchstens als Quellen und Hilfsmittel gegenüberstehen.

Eben die Wichtigkeit und Deutwürdigkeit jener Belagerung scheint der Grund, warum in den meisten gleichzeitigen historischen Schriften höchst oberflächlich über die schweren Leiden des flachen Landes zu jener Zeit gesprochen wird, - in denen sich herrliche Züge entwickelten, - in denen sich trefflicher Stoff zu den anziehendsten Betrachtungen bietet. Während die Türken, und vorzüglich die Tartaren, ihre Gräuel von der ungarischen Grenze Österreichs beim Einfluss der March in die Donau bis hinauf über Melk, und von der ungarisch-steirischen Grenze bei Hochneukirchen bis tief ins Gebirge nach Klein-Mariazell und gegen Waidhofen an der Ybbs trugen, und Monate lang den ungeheuren Raum zwischen diesen beiden Linien verheerend durchstreiften, scheint es bei Durchlesung jener gleichzeitigen und selbst späterer Geschichtswerte, als hätte sich das Unheil auf die Gegenden von Hainburg, Bruck an der Leitha, und besonders von Wien beschränkt. – Wer mehr und Näheres wissen will von jener furchtbaren Raubfurie, der muss mühsam die Daten aus Spezial-Chroniken, Volkssagen, Kirchenbüchern und ähnlichen Urkunden, Inschriften usw. zusammentragen. (Schramm’s Melkerchronik, Herzog’s Cosmogr. Franciscana geben vorzugsweise sehr anziehende, leider aber auch nur auf Örtlichkeit beschränkte Nachweisungen.)

Was nun der Schreiber dieser Zeilen auf solchem Wege gesammelt, in einem gedrängten, übersichtlichen Auszuge zu geben, ist der Zweck dieser Untersuchung. – Sie beabsichtigt nicht, die Missgriffe zu beleuchten, welche dem Erbfeind den Eingang in das, mit Ausnahme Wiens, von seiner Festung beschützte, von Truppen entblößte Land öffneten – noch weniger weitausgreifend des Krieges Ursache und Anbeginn zu schildern. Ihr Schauplatz ist der oben beschriebene Landesteil; die Zeit der Tragödie jene vom Einmarsch der Türken in Österreich bis nach dem Entsatz von Wien (Juli bis Oktober 1683) – doch muss der Vollständigkeit wegen auch auf etwas spätere Zeiten Bedacht genommen werden.

Die Lage des Landes beim Einbruch des feindlichen Heeres schien trostlos. Die wenigen regulären Truppen, kaum 30.000 Mann, waren größtenteils mit dem Herzoge von Lothringen auf dem kürzesten Wege von Hainburg gegen Wien im Rückzuge begriffen, oder in Wien. Sehr kleine Abteilungen dieser Macht, welche 300.000 Türken abhalten sollte, waren im Lande zerstreut – namentlich in Neustadt, St. Pölten, bei Tulln usw. – Auch von diesen noch suchten anfangs manche das Hauptheer zu erreichen, um den Ruhm der Verteidigung Wiens zu teilen.

Während der Kern der türkischen Truppen dem Kaiserlichen Heere auf dem Fuße folgte, ergoss sich seitwärts nach allen Richtungen das furchtbare Volk der Tartaren über die schutzlosen Fluren.
Die Dauer der Belagerung änderte wenig an der Lage des übrigen Landes, zumindest nicht zum Vorteile. Nur das Marchfeld und die Gegenden des linken Donauufers entlang aufwärts genossen den Schutz lagernder Heeresabteilungen, den sie mit schweren Opfern zahlten; dem übrigen Lande war keine Hilfe gebracht.
Das Bild, welches wir nach gleichzeitigen Quellen von den Tartarenhorden entwerfen können, sieht beim ersten Anblick nicht so furchtbar aus. Ganz aus Reiterei bestehend, erscheinen sie schon dadurch als eine einseitige, in lokale Schranken gedämmte Macht. Schlecht bewaffnet und ohne alle regelmäßige Kriegskunst waren sie wirklich am besten zum Verwüsten und zum Raub, kaum zum ernsten Angriff, am wenigsten aber zu anhaltendem Kampf, zu standhafter Gegenwehr geeignet. (Wirklich erzählt uns die Geschichte jener Zeit kein Beispiel, dass Tartaren eine wahrhaft feste, gut verteidigte Position genommen, oder sich in einer solchen, deren sie genug verlassen trafen, festgesetzt und gewehrt hätten.)

Die ganze Bewaffnung des Einzelnen bestand meist nur aus einer langen dünnen Lanze (Ropie) – nur wenige führten außer ihr noch Bogen und Pfeile, noch wenigere Säbel. – Fand man bei einem der damals getöteten Feinde bessere, vollständigere Waffen, so war es sicher ein Türke, deren Streitkorps oft jenen Eclaireurs folgten. – Feuergewehre besaßen die Tartaren beinahe gar nicht –ja sie fürchteten es mehr als irgendeine andere Waffe. – Ihr Feldgerät war gering, Brandzeug, ein Bund Stricke, um die Gefangen zu koppeln, eine Peitsche, um sie zu treiben, - die Urt, ihr Hauptschlüssel, - eine Kürbisflasche, und ein Futtersack, der zugleich die Beute aufnahm.

Geschütz nahmen sie, seines Gebrauches wenig kundig, ihn sogar scheuend, und weil die schweren Maschinen ihre Züge im flachen Land erschwert, im Gebirge vollends gehemmt hätten, beinahe nie mit. Selbst vor Neustadt, dessen Ruf sie lockte, dessen Stärke sie achteten, erschienen sie mit einer einzigen, freilich großen, von vierzig Büffeln gezogenen Kanone.

Auch einige Schlösser in der Umgebung Wiens sahen türkisches Geschütz vor ihren Mauern, dass aber nicht den Tartaren angehörte, sondern von der Belagerungs-Artillerie detachiert war. – Eigentliche Operationspläne kannten diese Horden nicht. In Parteien von mehreren Tausenden, Hunderten, aber auch zu Zehnen und selbst Paarweise ritten sie aus dem Lager überall hin, wo ihnen nicht geregeltes Kriegsvolk in den Weg trat, folgten den Straßen und Fußpfaden, oft auch dem aufwärts führenden Bette der Bergwässer – ihre Augen auf Schlösser, Herrenhäuser, Kirchen und verborgen liegende Orte hauptsächlich werfend. – Ihre Standlager scheinen absichtlich von jenen der Türken getrennt gewesen zu sein, eines war sogar in Königsstetten, weit von Wien, vom Belagerungsheere durch das uneroberte Klosterneuburg getrennt, in ziemlich unsicherer Vorpostenstellung. – Fliegende Lager während der Streifzüge hielten sie ohne kriegerische Vorsicht zwischen dampfenden Ruinen oder auf dem weiten Blachfelde.

Die Frage, wie so schlecht bewaffnetes, aller Kriegskunst baares Gesindel so verheerend zu wirken vermochte, ist natürlich. – Wir glauben nicht zu irren, wenn wir einen Hauptgrund seiner Furchtbarkeit in der Beschaffenheit seiner Rosse suchen. Es mag befremdend klingen, aber unsere Quellen bestätigen es. – Diese kleinen, leichten Tiere von seltener Schnelligkeit und Ausdauer im Laufe, wenig Pflege bedürfend, durchschwammen mit ihren Reitern reißende Ströme, wanden sich durch das Dickicht verwachsener Wälder, und, was den nur an den schweren Landpferdeschlag gewohnten Bauern beinahe ein bedrohliches Teufelswerk schien, sie kletterten das Gerölle des Hochgebirges, steile Abhänge, glattes Felsengeschiebe, wo kaum ein menschlicher Fuß haftete, sicher und rüstig hinan. (Selbst  Gelehrte, wie der Benediktiner Schramm, staunten über die seltene Gewandtheit  der tatarischen Rosse. – Übrigens mussten doch im Gebirge die Tartaren bisweilen mit Zurücklassung ihrer Pferde fliehen, wie dies z.B. im Prellthale, zwischen Waidhofen und Opponitz, der Fall war, wo die Bauern 300 Rosse erbeuteten).

Auch ihre Kriegsweise (Kunst darf man sie kaum nennen) machte diese Barbaren zu furchtbaren Feinden. Schnell vorbrechend und bis in die abgelegenste Gegend dringend, wirkten sie durch Überraschung. Ihre Expeditionen beschränkten sich daher meist auf Überfälle. Selbst Verkleidung wandten die listigen Tartaren bisweilen zu ihrem Zwecke an. So vor dem Schloss Wald nächst St. Pölten, welches mehrere von ihnen in Bauernkleider gehüllt, zu überrumpeln versuchten, wo sie aber mit blutigen Köpfen abgewiesen wurden. – Derlei Unternehmungen wurden ihnen durch den Umstand erleichtert, dass sich an ihre Raubzüge sehr oft Ungarn in ihrer Nationaltracht, die der deutschen Sprache kundig waren, als Führer oder Helfer anschlossen.

Die Verwirrung zu vermehren, die Verwüstung zu vollenden, zündeten sie an, was sie brennbar vorfanden, Gebäude, Heu-, Stroh- oder Holzvorräte, - Hauptzweck war Beute, wichtiger Nebenzweck Verwüstung und Schrecken. Dem ersten frönend griffen sie zuerst nach dem, was am  kostbarsten, am leichtesten fortzubringen schien, - nach Geld, Kirchengefäßen, Schmuckgeräte und – Menschen! In diesem letzteren Beutegut lag der Hauptgrund der furchtbaren Angst vor den Tartaren. Was von den Gefangenen nicht tauglich schien zur Erwerbung reichen Kaufgeldes, zur Befriedigung schnöder Wollust, das hieben sie kaltblütig nieder, gleichviel  ob zitternder Greis, ob lallendes Kind? Kranke schonten sie nie, über jenen im Siechenhause von St. Pölten zündeten sie das Gebäude an. – Aber rüstige Männer, blühende Dirnen und schmucke Weiber, selbst unter den Kindern die schöneren, koppelten sie mit Stricken, banden sie an den Schweif des Rosses, und zwangen sie durch unbarmherzige Peitschenhiebe dem schnellen Rückzuge zu folgen. Auf das weitere Schicksal dieser Gefangenen werden wir später zurückkommen.

Ihre Furchtbarkeit wurde endlich, ungern gestehen wir es, durch die Kopflosigkeit mächtig erhöht, die sich beim Einbruch des türkischen Heeres anfänglich zeigt. – Vom Schutze eines Heeres entblößt,  durch die Gerüchte schmählicher Niederlagen desselben doppelt entmutiget, suchten viele ihr Heil in übereilter Flucht,  - darunter leider manche, von deren Besonnenheit und kluger Leitung alles abhing, manche Herrschaftsbesitzer und Beamte. – Welche ehrenvolle Ausnahme hiervon in der Regel die Geistlichen machten, werden wir im Verlaufe dieser Blätter zu erwähnen Gelegenheit finden.

Jenen, welche entfernt von der Landesgrenze wohnend, die traurige Kunde vom feindlichen Einbruche zeitig genug erhielten, mochte es gelingen, mit Zurücklassung des größten Teils ihrer Habe das nackte bloße Leben zu retten; - aber wer beladen mit teuren Kranken, matten Greisen, schwachen Kindern oder gar mit schwerem Gepäck erst dann der Heimat den Rücken wandte, wenn ihn des nächsten Dorfes dampfende Brandsäule warnte, den ereilten die flüchtigen Rosse der Verderber. So ging mancher zu Grunde, der vielleicht durch standhafte Gegenwehr in seinen vier Pfählen den pulverscheuen Feind unverletzt abgetrieben hatte. – Wie bei jeder kopflosen Verwirrung wurde auch hier die Flucht oft so unternommen, dass man sie eher für eine freiwillige Übergabe, für ein bloßes Necken des Feindes hätte halten können. – Manche bepackten sich schwer mit nutzlosen Dingen, andere flohen in Richtungen, welche sie dem Feinde in die Hand lieferten, oder in Orte, welche unhaltbarer waren, als die eben Verlassenen. – Die Besonnensten richteten ihr Augenmerk nächst der Fortschaffung der kostbarsten Dinge auf jene der Nahrungsmittel, besonders des Viehes, welches oft, wenn man es nicht lebend wegzuführen hoffte, geschlachtet und auf Wagen fortgebracht wurde. – Ohne diese Klugheit Einzelner, wären die oft zu Tausenden (wie im Schlosse Starhemberg) zusammengedrängten Flüchtlinge durch Hunger zur schnellen Übergabe gezwungen worden.
Aber auch wer zeitlich genug floh, und nicht sehr schnell einen sicheren Hort erreichte, hatte mit furchtbarem Ungemach zu kämpfen. Da sich der verwirrte Haufen so ziemlich in gleicher Richtung, nämlich gegen Oberösterreich zu drängte, so waren die Straßen mit Fuhrwerken, Reitern und Fußgehern bedeckt. Umgeworfene Wagen, gestürzte Pferde, vor Furcht und Anstrengung erliegende Menschen, erfüllten und verdarben die Bahn, dazwischen einzelne Züge von Kriegsvolk, die sich fluchend Raum machen, um auf den Kriegsschauplatz in und bei Wien zu kommen, - Mangel an Lebensmitteln und Unterkunft für die ungeheure und ungewohnte Menge von Gästen – von allen Seiten aufsteigende Rauch- und Gluthaufen zur Eile mahnend, und das Ende dieses bangen, verwirrten Notzuges verfolgt und angegriffen von der Vorhut des blutdürstigsten Feindes! – Manche der Fliehenden, besonders jene von höherem Stande, waren tödlichen Beleidigungen des aufgebrachten Volkes ausgesetzt. Kloster Melk entsendete gleich andern Gotteshäusern die des Krieges untüchtigen, zu jungen oder durch Alter und Gebrechlichkeit geschwächten Conventualen in befreundete Klöster. Bei Freyenstein am Donauufer wurden sie von dem unwissenden Volk, welches des Krieges Ursache den Geistlichen zuschrieb, angehalten und gerieten in Lebensgefahr. In Blindenmarkt waren die Bauern eine adelige Familie aus der Kutsche, und verbrannten diese, indem sie der Frau und den Kindern Herberge, dem Familienvater, einem rüstigen, noch jungen Manne aber ein Luntenrohr, Kraut und Loth anboten und ihm rieten, nach Melk zum Abte zu gehen, der ihm Arbeit (d.h. Kriegsdienst) geben werden. – Kaum rettete ein zufällig durchziehender Rittmeister die Familie aus der peinlichen Lage, indem er sie durch einige Dragoner bis Amstetten geleiten ließ.

Unbekannt mit der unglaublichen Spürkraft dieses steppengeborenen wilden Volkes, suchten andere ihr Heil in Verborgenheit.  Das Dunkel tiefer Urwälder, die unwegsamen Schluchten und einsamen Bergwiesen des Hochgebirges, die unheimlichen Windungen finsterer Felsenhöhlen wurden in der oft trügenden Hoffnung gewählt, dem Späherblicke der Raubgierigen zu entgehen. In der Felsenhöhle des Falkensteins bei Schottwien sehen wir noch heute die Reste der häuslichen Einrichtungen, durch welche die geräumige Steinhalle zum wohnlichen Raume umgeschaffen wurde, in den tiefen Klüften unter dem Höllturm bei Steinabrückel liegen noch verfaulte Getreidehaufen, die damals dort geboren wurden. Die Einwohner von Prigglitz im Viertel unter dem Wiererwald bezogen einen einsamen Felsenkessel, jene von Pihra im Viertel ober dem Wienerwald, mehrere aus Königstetten und Tulbing feste Verhaue. Von den Anwohnern der Donau retteten sich manche auf Inseln, die Bauern von Lebarn im Viertel ober dem Wienerwald, der Schiffe entbehrend, hoben beim Anrücken der Tartaren die Scheunentore aus den Angeln, und entflohen auf diesen leichten, gebrechlichen Flössen auf die nächste Sandbank, verfolgt von den feindlichen Pfeilen, deren einer mit vergifteter Spitze den Richter von Langenlebarn zu lebenswierigen Siechtume traf.

Die Fußstapfen der Flüchtigen, der von ihrem kärglichen Mahle aufsteigende Rauch, einzelne, unklug sich hervorwagende Späher verrieten sie oft den Tartaren, die dann in die finstersten Wälder, ins steilste Gebirge drangen, die unglücklichen Schlachtopfer durch angezündete Feuer aus ihren Schlupfwinkeln trieben und niedermetzelten oder als Sklaven wegschleppten. So wurden die Priglitzer aus ihrem Felsenkessel, die Piraher und Königstetter aus ihren Verhauen getrieben. Noch heute heißt ein Graben bei Tulbing, aus dem das Blut der im Verhau Gemordeten herabrann, die Blutgasse. (Auf dem Blutacker bei Leobersdorf wurden mehrere hundert Bauern aus der Gegend niedergemetzelt. – Ähnliche Namen, z.b. Jammerthal, Blutloch usw. mahnen an ähnliche Szenen) – Wenige nur fanden Schutz in der Verborgenheit. Die Sage hat uns nicht bewahrt, ob die in das Falkensteinerloch Geflüchteten unentdeckt blieben oder durch Gegenwehr sich retteten. – Aber in den Wäldern hinter Neustadt gegen Forchtenstein zu, hielt sich ein Häuflein von dreißig Personen bis zum Abzug der Türken ohne Angriff versteckt, während einige Büchsenschüsse weiter eine Mühle geplündert und angezündet wurde. – Die Rettung einzelner war oft wunderbar, wie jene der wenigen, die dem Perchtoldsdorfer Blutbad entrannen, jene einiger Bauern, die in dem überrumpelten Enzersfelderschloss, über die hohe Mauer springend, auf einzelne freistehende Bäume kletternd, im dichten Geäste in Todesangst bis zum Einbruch des schützenden Nachtdunkels versteckt blieben, und dann ins Gebirge entrannen.

Nur ein wirksames Mittel gab es gegen den Feind, und auch dieses nur anwendbar in bedeutender Entfernung vom türkischen Hauptlager – feste Stellung mit standhafter Gegenwehr. – Dass Vertrag wenig nützte gegen das wortbrüchige Volk der Türken, hat das furchtbare Blutbad in Perchtoldsdorf, haben manche ähnliche Szenen traurig beurkundet. – Dass in der Nähe des Hauptheeres auch tapfere Verteidigung nicht fruchtete, dass die Türken, wo sie den  Tartarten beistanden, dass in Ausnahmefällen, besonders wo viele Beute zu hoffen war, selbst die letzteren das Feuer weniger scheuten und hartnäckig angriffen, hat Merkensteins Fall durch weiblichen Übermut herbeigeführt (Schon hatten die Feinde, durch standhaften Mut der Besatzung ermüdet, den Abzug begonnen, da reizte die unanständige Stellung eines mutwilligen Weibes an einem Fenster der Burg die kaum gedämpfte Wut der Barbaren; sie kehrten um, ein neuer hartnäckiger Sturm begann, und sechshundert Opfer, die ganze eingeschlossene Bevölkerung, fielen!), hat Perchtoldsdorf, anfangs so brav verteidigt, haben mehrere gleiche Fälle in Wiens näherer Umgebung gezeigt.

Aber in der Regel war doch Heil in der Standhaftigkeit zu finden. Wo hinter einiger Maßen haltbaren Mauern reguläres Militär oder bewaffnete Bürger und Bauern lagen, dort wagten sich die Tartaren nicht hin, oder wurden abgetrieben. Selbst den Türken, trotzt ungeheurer Übermacht, widerfuhr nicht selten solche Schmach.

Nicht nur befestigte Städte, Burgen und Schanzen, sondern offene Dörfer, Kirchen, Kirchtürme, ummauerte Gehöfte, ja bisweilen ein einzelnes Haus inmitten eines schon brennenden Dorfes gewährten Schutz. – Da erprobte sich nächst dem Mute des Mannes auch der starke tüchtige Baugeist unserer Vorfahren.
Besonderen Einfluss auf tapfere Verteidigung nahmen wackere Anführer, die, vom Geist der Zeit entsprechend, ziemlich leicht zu finden waren. – Unvergänglicher Ruhm gebührt dem Prälaten Gregor von Melk, der durch eine  Reihe von Zügen, die ebenso sehr seiner Klugheit als seinem Mute Ehre bringen, die einen im Kriegshandwerk ergrauten Führer geziert hätten, seine Untertanen im Markte Melk selbst vom Angriff der Feinde frei hielt. Graf Kolowrat in Schallaburg, die wackeren  Beamten in Hohenegg und Albrechtsberg (Sämmtlich im Viertel ober dem Wienerwald, welches mit dem Viertel unter dem Wienerwald die Verwüstung teilte, während die Gegenden über der Donau größtenteils frei blieben), in Starhemberg, Sebenstein usw. waren nicht nur die standhaften Verteidiger der von ihnen besetzten Plätzte, sondern wirkten segenvoll für die Umgebung. Die Schallaburger und Hohenegger unternahmen, von den  Melkern kräftig unterstützt, beschwerde- und gefahrvolle Züge durch das flache Land, die wilden Horden verscheuchend, Beute, Gefangene und erlöste Christen heimbringend. – Auf einem dieser Züge ereignete sich ein guter Schwank, bezeichnend den unvertilgbaren, selbst unter dem schweren Druck harter Leiden hervorbrechenden volkstümlichen Humor des Österreichers.  Ermattet von einem weiten Streifzug, in glühender Hitze lagern die Melker auf der Heimkehr in dem von seinen Bewohnern verlassen Orte Mauer (es war gar nichts seltenes, auch größere, noch nicht vom Feinde berührte Dörfer ganz leer von Bewohnern zu finden). Einige durstige Brüder schleppen einen wohlverschlossenen Keller aufbrechend, einige Fässer Wein herbei, deren Inhalt möglichst schnell in den trockenen Kehlen verrinnt. – Es wird zum Aufbruch geblasen, - wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen, - ein Melker Witzbold, den einen Fuß schon im Bügel, kritzelt noch schnell mit einer Kohle an die Wand des geplünderten Kellerhauses: „Dieweilen die Maurer seind weggeloffen, haben die Melker den Wein ausgesoffen.“

Auch die Kloster Lilienfeld, Tulln, dem Hauptheere so nahe und mit halb verfallenen Mauern, St. Pölten unter Lodron, hielten sich Achtung gebietend bewehrt. Letzterer durchstreifte mit seinen löwenkühnen Dünnewald’schen Reitern das Steinfeld, nie ohne einige Tartarenköpfe zurückkehrend. Klosterneuburgs heldenmütige Verteidigung unter den ungünstigsten Verhältnissen durch Marcellin Ortner, Neustadts Befreiung durch eine wohlangebrachte Geschützsalve, die standhafte Haltung der Veste Starhemberg, in welcher ein großer Teil der Bevölkerung der Neuen Welt (das schöne Tal von Dreistetten hinab gegen Retting) und des Steinfeldes, so wie von Araberg, wo die Landleute aus der Umgegend von Klein-Mariazell versammelt waren, sind bekannt. – Auch an das Fabelhafte grenzende Zufälle retteten bisweilen einzelne Schlösser und Menschen. – So scheuchte in Albrechtsberg der nach aufgezogener Zugbrücke zu spät gegen das Schloss flüchtende Gärtnerbursche die Tartaren mit seinem Angstgeschrei und einem ungeladenen Feuerrohre zurück. – Schloss Wieselburg im Viertel ober dem Wienerwald rettete ein Weib, das, allein im ganzen Gebäude, schnell mehrere Musketen lud und abwechselnd aus verschiedenen Fenstern auf die feigen Räuber feuerte, bis sie abzogen, - vor Sebenstein kehrten die Tartaren plötzlich von panischen Schrecken ergriffen, um, - vor Amstetten vertrieb sie der Lärm, den die geängstigten Bürger bei ihrem Anblicke mit Trommeln und Pauken erhoben.

Oft  zogen drei bis vier mit Feuergewehren bewaffnete Bauern in verzweifelnder über den Raub ihrer Weiber oder Kinder den beutebeladenen Scharen von fünfzig bis sechzig Reitern nach, - ein glücklicher Schuss und die Bande war zersprengt, und lies Beute und Gefangene, in wilder Flucht forteilend, zurück. – Solche kleine Ausfälle wagten besonders mit vielen Glücke wiederholte die Hohenegger, die auch einst bei einem getöteten Tartarten dreißig Klafter Stricke und wertvolle Beute fanden.

Ein enges Band, das der höchsten Roth, vereinigte Not, vereinigte die einzelnen festen und besetzten Punkte, - wechselseitig schickte man sich Waffen und Munition zu, verabredete und gab Signale durch Schüsse, Glockengeläute, Kreidenfeuer (Lärmfeuer, von dem altdeutschen „Kraien“ frzösisch: erier, nicht aber vom „Ausreuten“ wie bisher oft irrig geglaubt wurde). Mit seltenem Mute schritten oder schlichen von einem Schloss zum anderen kühne Boten durch das von den Feinden nach allen Richtungen durchkreuzte Feld, Hilfe fordernd oder verheißend, Kunde holend oder bringend vom Stande der Dinge.

Ein großer Anhaltspunkt zur Rettung lag darin, dass der damaligen Sitte nach, teils noch aus den wilden Zeiten der Selbsthilfe oder vom Bauern- und Schwedenkriege her, Städte und märkte ummauert, die Schlösser und Herrenhäuser, größtenteils auch die Kirchen, befestigt waren – dass in den zahlreichen städtischen, herrschaftlichen und Kloster-Rüstkammern ein bedeutender Vorrat von Waffen, besonders von kleinerem Geschütz lag, das die Tartaren mehr noch als das Handfeuergewehr scheuten. Die Doppelhaken, eine beliebte Waffe jener Zeit, haben sich damals erprobt. Auf 6-800 Schritte ihre tödliches, Ross und Mann niederschmetterndes Blei tragend, hatten sie nicht den ungeheuren Munitionsbedarf, nicht den schweren Transport einer Kanone, konnten auf den höchsten Turm, die engste Stiege hinaufgebracht, in dem kleinsten Raum verwendet, von einem einzigen Manne bedient werden, und gaben ein ziemlich sicheres, schnelles, furchtbares Feuer.

Ein ebenso günstiger Umstand war, dass unter dem Landvolk mancher entlassener, herrenloser, des Handwerkes kundiger Krieger lebte, dass endlich, es mag sehr sonderbar klingen, Kenntnis des Geschützwesens, wenigstens theoretische, einen integrierenden Teil des mathematischen Studiums in der damaligen Form bildete, daher vielen Geistlichen und anderen Gebildeten nicht fremd war. (Wem fällt nicht bei der Belagerung von Ofen im Jahre 1686 so berühmt gewordene Mönch, Tüzes Gabor, der feurige Gabriel, genannt, ein – wenn wir gleich Berthold Schwarz nicht erwähnen wollen, und mehrere geistliche Schriftsteller über militärische Gegenstände, z.B. P. Daniel)

Welchen Anteil die Geistlichen an der Rettung des Landes überhaupt hatten, ist kaum zu ermessen. Abgesehen von den mutigen Priestern in Klosterneuburg, Melk, Lilienfeld, von dem wackeren Pfarrer in St. Leonhard, dessen Verhaue und Schanzen mehrere Gemeinden schützten, von jenem in Pihra, der an der Spitze seiner Pfarrkinder den Tod im heißesten Kampfe fand, von jenen vielen, die als treue Seelenhirten selbst das Schwert zu ergreifen nicht zagten, finden wir sie meist bei der Flucht die letzten, manche bei der Rettung der Kirchengefäße an den Stufen des Altares niedergehaut (wie in Neulengbach und vielen anderen Orten), oder bei einem Werke der Barmherzigkeit überfallen und fortgeführt, so dass nach dem Abzug der Feinde drückender Mangel war an Seelsorgern.

Als der erste furchtbare Schrecken über den heftigen Anfall des Feindes vorüber war, als Beispiele von Rettung durch standhafte Gegenwehr und Geistesgegenwart sich durch den Ruf verbreiteten, gestaltete sich vieles anders und besser.  In das Chaos planlosen Flüchtens, zagenden Verbergens, tollkühner oder durch vereinzelter schwacher Gegenwehr trat Ruhe und Besonnenheit, - der Gedanke an die Zukunft wurde rege, sobald die Möglichkeit, sie zu erleben, gehofft wurde. – Man fing an, bewaffnete Fouragirungen, ja sogar, unter dem Schutze der ausrückenden Besatzungen, einzelne Feldarbeiten vorzunehmen, und von den in die festen Punkte Geflüchteten benützten manche die ruhigen Zwischenräume, um nach dem verlassenen Hab und Gut zu schauen, oder Freunde und Verwandte in anderen Zufluchtsorten zu besuchen. Solche Wanderungen fielen freilich, da die Ruhe oft nur scheinbar war, bisweilen übel aus.

Wenden wir unsere Blicke auf die von den Tartaren gemachten Gefangenen, so finden wir ein trauriges, schaudervolles Bild. – Ihre Zahl ist bei den mangelhaften Quellen, bei den damals noch mangelhafteren Einrichtungen in Bezug auf Volkszählung, durchaus nicht zu ermitteln. Ein gleichzeitiges fliegendes Blatt gibt sie, höchst verdächtig durch Zeitungs-Animosität und übergroße Einheiten-Genauigkeit, folgendermaßen an: „108.809 in die Sklaverei geführt, darunter 6.000 alte Männer, 11.215 Weiber, 14.092 Mädchen bis 26. Jahren, darunter 204 gräfliche und andere adelige Damen, 56.093 Kinder unter 5 Jahren“. Die ganze Notiz ist schon darum wenig brauchbar, weil sie das Terrain, auf welchem diese Gefangenen gemacht wurden, nicht angibt,  - aber dass über 40.000 Gefangene jeden Geschlechts, Alters und Standes aus Unter-Österreich weggeführt wurden, darf man unbedenklich annehmen.

Von diesen Gefangenen nun erlag ein Teil den Beschwerden des Zuges und der unmenschlichen Behandlung, viele wurden bei Mangel an Lebensmitteln, bei Gefahr durch nachsetzende Christen, oder wenn ein anderer Umstand sie als beschwerliche Last darstellte, mit kaltem Blute geschlachtet, so angeblich 30.000 (!) beim Entsatze vor Wien (Die Summe ist wohl um ein Drittel übertrieben, wenn gleich viele gleichzeitige Quellen sie so angeben).

Der geringste Teil erreichte, meistens von den Tartaren an die Türken verkauft, den von letzteren besetzten Teil Ungarns oder die Türkei. Dort wurden sie als Handwerker, Feldarbeiter, einige wenige als Dolmetscher gebraucht – noch wenigere kauften bessere Nahrung und schlechteres Gewissen durch Verleugnung ihres Glaubens – den Weibern , die, wie die boshaften Chroniken wissen wollen, und wie leicht zu begreifen ist, sich besser, als die Männer in ihr Los fanden, ging es ansich besser.

Größer wäre Österreichs Entvölkerung geworden und geblieben, wenn nicht ein bedeutender Teil der anfänglich aufgegriffenen Landleute über kurz oder lang zurückgekehrt wäre. – Viele wurden mit Gewalt befreit, manche entflohen, denn in dem reichen Weinlande lernten die Tartaren das verbotene Getränk kennen und über Gebühr lieben, - im Tartarenlager bei Königstetten soll die viehische Völlerei dieser Horden vielen hundert, von trunkenen Wächtern schlecht gehüteten Christensklaven zugleich die Freiheit gegeben haben. – Andere wurden von den im trkischen Heere dienenden Ungarn und Griechen oder später von frommen Mönchen losgekauft, viele von den Türken selbst nach längerer entlassen, oder ausgewechselt.
Der Umfang der Verwüstung war furchtbar, wir können ihn ahnen, da das erwähnte fliegende Blatt die Zahl der abgebrannten Ortschaften auf 14.933 setzt, eine Zahl, die ersichtlich übertrieben, und für Unterösterreich, einzelne Gehöfte eingerechnet, auf ein Zehntel zu reduzieren sein dürfte.  – Dass aber über 30.000 Menschen in Unterösterreich getötet wurden, von denen die wenigsten im Kampf fielen, die meisten kaltblütig niedergemetzelt wurden, ist eine keineswegs übertriebene Annahme!

(Der Verlust der Wiener Besatzung, so wie überhaupt jener an Kriegsvolk, wird hier nicht angeschlagen. – Nach Kurz (Geschichte der Landwehre in Österreich o. D. E. I. B. p. 240) soll eine Nachzählung der Herrschaften in Niederösterreich über den Abgang an der Zahl ihrer Untertanen, 40.000 teil getötete, teils in die Sklaverei geschleppte ausgewiesen haben, - eine Angabe, welche uns viel zu gering erscheint!)
Folgendes ist eines der reichhaltigsten, wenngleich von Vollständigkeit sehr weit entfernten Verzeichnisse der abgebrannten, geplünderten und verwüsteten Ortschaften Unterösterreichs:
Altenmarkt, Arnstein, St. Ägid am Steinfeld, Brunn am Gebirge, Baden, Bruck an der Leitha, Ebreichsdorf, Enzesfeld, Enzersdorf am Gebirg, Enzersdorf an der Vischa, Stadt Enzersdorf und Lang-Enzersdorf, Fischament, Goldegg, Gißhübel, Guntramsdorf, Götzendorf, Gallbrunn, Hainburg, Himberg, Hundsheim, Hochau, Hitzing, Haindorf, Heiligenkreuz, Hernals, Johannstein, Inzersdorf, Kothingbrunn, Katzelsdorf, Laxenburg, Lichtenstein, Lengbach, Leesdorf, Leopoldsdorf, Leobersdorf, Wintendorf, Mannersdorf, Margarethen bei Wie, Mödling, Matzelsdorf bei Melk, Neudorf, Prellenkirchen, Potzendorf, Dor fPottenbrunn, Penzing, Pellendorf, Pfaffstätten, Perchtoldsdorf, Rodann, Raffing, Rothneusiedl, Siegenfeld, Solenau, Schwechat, Stirneusiedl, Schönau, Soos, Traiskirchen, Teesdorf, Tattendorf, Trübeswinkel, Trumau, Vischau am Steinfeld, Ober- und Unter-Waltersdorf, Weißenbach, Wirflach, Wienerherberg uvm.
Gerettet wurden: Araberg, Albrechtsberg, Bielach, Clamm, Feistriz, Schloss goldegg, Entenstein, Hohenegg, Schloss Haindorf, Kranichberg, Klosterneuburg, Krumbach, Schloss Lengbach, Lilienfeld, Melk, neustadt, Osterburg, Schloss Pottenbrunn, St. Pölten, Rabenstein, Schallaburg, Starhemberg, Steyersberg, Tulln, Schloss Wald, Wieselburg, Schloss Wartenstein, die Kirche zu Winzendorf, Ziegersberg uva.

Die Befreiung von den Feinden selbst trat größtenteils erst nach dem Entsatze von Wien, aber dann auch ziemlich plötzlich und allgemein ein. Mit diesem Entsatze kam gleicher panischer Schrecken über die Türken, als er bei ihrem Anzuge über viele Christen gekommen war – die Tartaren, gewohnt an der Spitze des Heeres zu sein, beeilten sich, auch jetzt diese Stellung einzunehmen, und waren die ersten, welche aufbrachen. Ihr trefflicher Ortssinn, ihre ausdauernden Pferde retteten die Meisten vor dem nach dem Entsatze mit doppelter Kühnheit auftretenden Landvolke, vor dem nachrückenden Militär, - nur wenige Nachzügler fielen in die Hände der erbitterten Bauern, sie wurden, wie es auch früher allen Gefangenen widerfahren war, gewöhnlich arg misshandelt, dann umgebracht. Nur ausnahmsweise ließ man Einzelne leben, um sie in den Schlössern zu schwerer Arbeit zu verwenden.

So wunderbar schnell das Land von seinen Peinigern befreit wurde, so teuer kam mancher Gegend die Erlösung selbst zu stehen durch den Übermut der Befreier. Dieses Heer, noch beinahe durchaus von geworbenen Truppen zusammengesetzt, kannte wenig Kriegszucht, - aus fremden Ländern hergeführt, nahm es wenig Teil an dem Elende dieses Landes, ermüdet vom weiten Marsche forderte es bessere Pflege, als der verarmte Bauer zu geben vermochte. – Das Gefühl, als Erretter zu kommen, und doch nicht gerne gesehen zu werden (wie konnte auch der ausgesaugte Landmann den immer fordernden Krieger gerne sehen?), diese Erbitterung über den geglaubten Undank trieb die fremden Söldner zu grauenvollen Ausschweifungen. Gleichzeitige Schriftsteller versichern, nur das Brennen und Sengen hätten die Hilfsvölker unterlassen, sonst in allem den Tartaren gleich gehaust. – Der Gurhof bei Melk wurde von den Kaiserlichen geplündert, in Bielach tobten die Pohlen so arg, dass die bewaffneten Melker, die Heerespolizei übernehmend, gegen sie auszogen, und nach einem lebhaften Gefecht mehrere zur strengen Bestrafung ins Hauptquartier führten. – Abt Gregor von Melk, der, wo es sich um den Schutz seiner Untertanen handelte, gleichen Mut gegen Freund und Feind bewies, versagte dem Marktgrafen von Baden, welcher an der Spitze von zehntausend Mann ankam, den Durchzug durch Melk, anfangs im ruhigen aber festesten Tone, dann unter der Androhung blutiger Gegenwehr. Der Fürst gab nach, und der Markt war von den Leiden eines Durchzuges befreit, der wenigstens einen Teil des Elendes über die Bürger gebracht hätte, welches sie gegen den Erbfeind mit so großen Opfern abgewendet hatten.

Glücklicherweise trafen die Märsche der Hilfsvölker nur einzelne Gegenden, zum Teil gerade solche, in welchen, wie von Tulln abwärts gegen Wien, kaum noch irgendjemand vorhanden war, der misshandelt werden konnte, kaum ein Gegenstand des Raubes sich darbot.

Als nun die Schlacht des Entsatzes geschlagen war, deren Kunde Eilboten auf schnaubenden Rossen, und die nach Wien Geflüchteten, nun von langer Gefangenschaft in der belagerten Stadt befreit, nach allen Richtungen dahineilend verbreiteten, - als die wilden Tartarenschwärme  schleunigst abgezogen waren, - da ergoss sich die in Städte, Schlösser oder Kirchen eingeschlossene, die in Waldesnacht, auf Bergeshöhen oder im Dunkel der Höhlen verborgene Bevölkerung, - da ergossen sich auch bald die aus Steiermark, Österreich ob der Enns und jenseits der Donau rückkehrenden Flüchtlinge über die heimatlichen Fluren. – Jammervoll, entmutigend, alle Kraft zum Handeln lähmend war der Anblick, der sich den unglücklichen Bewohnern bot! – Niedergebrannte Wohnstätten, Weingärten, Felder und Wiesen, zertreten von Tierhufen, - entweihte, in Ställe verwandelte Kirchen, modernde Leichen allenthalben zerstreut, selbst in Brunnen, Zisternen, Kellern, auf Dachböden, - zerstörte Wege und Brücken, - mutwillig gemetzeltes Vieh, als Aas die Luft verpestend, - zertrümmertes Hausgerät, zerstreute, verdorbene Vorräte! – Noch jahrelang fand man im Hochgebirge, im Dickicht der Urwälder, in Höhlen und älteren Ruinen Leichen gemordeter oder zufällig auf der Flucht verunglückter, ja selbst verhungerter Christen!

Vorzugsweise die Gegenden um Wien diesseits der Donau waren erschöpfend verheert. Der Türken treffliches Verpflegungssystem hatte zahllose Herden um die belagerte Stadt gehäuft, die bis auf die Entfernung von vier Stunden beinahe jeden Halm abweideten. Die Weinberge von Nußdorf, Heiligenstadt, Grinzing usw. hatten durch Verbrennung der Reben und Stöcke, durch Aufwerfung von Schanzen und Zerstörung der Terrassen, Zisternen usw. ungemein gelitten. In dieser speziellen Beziehung sei eine kleine Abschweifung vergönnt: der Weinbau wurde von unsern Vorfahren mit all dem ausharrenden Aufwande menschlicher Kraft betrieben, dessen die Vorzeit allein fähig schien. – Ausgebreitete Terrassierungen, nicht bloß von trockenen Steinen, sondern von Ziegelmauern, auf Bogen gestützt, wie z.B. bei Nußdorf, Wasserleitungen und Zisternen ohne Zahl, ungeheure Keller und Pressen usw. beurkunden, dass die Winzer Österreichs zu einer Zeit, wo der Besitz weniger gesichert, häufigeren Störungen ausgesetzt, wo der Kulturgrad des Landmanns weit geringer war, einen Aufwand von Kraft auf seine Produktion wagte, den er jetzt nimmer wagt.

Einer so ausgedehnten, so tief eingreifenden Verwüstung trat nun eine in der Zahl geschwächte, teils auch durch Angst und psychische Leiden entkräftete Bevölkerung entgegen, in der ungünstigsten Zeit des Herbstes! – Allenthalben fehlte es, - Wohnungen ohne Dach, Gärten ohne Bäume, Felder ohne Frucht, Speicher ohne Vorrat, Kirchen ohne Priester und gottesdienstliche Geräte, ganze Dörfer ohne einen (!) Bewohner, ungemeiner Mangel an Vieh! – Dazu grenzenlose Verwirrung der Eigentumsverhältnisse, da so viele Kanzlei-Archive zu Grunde gegangen, so viele Beamte in Gefangenschaft geraten oder getötet waren, da die Not die Rechtsbegriffe verwirrte, und bei dem gemeinschaftlichen elende so viele unzertrennbare Vermischungen von Rechts-Objekten stattgefunden hatten. – Dazu noch der Mangel an Trost der Religion, an Schulen zum Unterricht! Und viele von den Übergebliebenen, nun monatelang des Waffentragens gewohnt, fanden die Muskete leichter als den Spaten, liefen dem Kriegsvolke nach, oder zogen als gefürchtete Gäste im Lande umher. – Welch furchtbares Loos stand diesem unter solchen Auspizien bevor?

Wäre das Volk ein feiges, verzagtes gewesen, hätte es nicht in dem Vertrauen auf seinen Kaiser Hoffnung für die Zukunft, in seinen Äbten, Pfarren und Beamten einen Anhalts- und Vereinigungspunkt für die Gegenwart gefunden – hätte nicht mancher wackere Herrschaftsbesitzer das Ausharren bei seinen Untertanen der Flucht, zu welcher so viel Beispiel gegeben war, - mancher edler Krieger die Verteidigung eines kleinen Städtchens oder Schlosses den Ruhm verheißenden Zuzuge zum Hauptheere vorgezogen, so wäre, wir haben es oben angedeutet, das ganze Land, ja vielleicht auch Oberösterreich die Beute gleicher Verheerung geworden. – In noch höherem Maßstabe zeigte sich die Tüchtigkeit des Volkes, der edle Sinn mancher Äbte und Herrschaften jetzt, bei dem Kampfe mit unnennbarer Schwierigkeit in der Wiederherstellung des alten Standes der Dinge! – Ansiedler wurden aus den schonten Provinzen gerufen, Lebensmittel weit her (Österreich jenseits der Donau war durch die Lager ganz erschöpft) herbeigeführt, Kirchen und Schulen wurden aus dem Schutte erhoben, edle Priester versahen mit beinahe todbringender Anstrengung weite Bezirke, - neue Ehen wurden durch liberale Begünstigungen der Obrigkeit unterstützt, in unglaublicher Zahl geschlossen, und bald schritt das Land der neuen Blüte entgegen.

Freilich schmerzten die Narben noch lange. Verarmte Untertanen, durch Verluste und kriegssteuern ausgesogene Herrschaften, unsichere Straßen von Räuberbanden durchstreift, die Not und das Kriegshandwerk geschaffen hatten, ganz verödete Dörfer und Fluren, - so tief wurzelnde Übel konnten nur langsam wieder gehoben werden. Besonders lange dauerten die Streitigkeiten ohne Zahl über das Mein und Dein, da Besitzergreifung bei vielen der einzige Rechtstitel war. Vollends das teilweise Zurückkehren von befreiten Gefangenen war eine Quelle fortdauernder Zwistigkeiten, da viele dieser Unglücklichen ihr Hab und Gut in fremden Händen, ihre Gatten an andere verheiratet, fanden. Mancher dieser Befreiten eilte nach der Zurückkunft mit hastiger Angst nach dem Winkel, wo er beim Anzug der Türken sein kostbarstes Gerät vergraben hatte – und fand ihn leer! – Viele, die alles verloren, und die Kraft zur Arbeit durch das Leiden langer Gefangenschaft eingebüßt hatten, viele, die in jenen Leiden und in ihrer oft wunderbaren Befreiungsgeschichte ein Privilegium zum Nichtstuen sahen, belästigten das Land als ungestüme Bettler! – Die letzten Nachwehen des großen Jammers waren Seuchen, welche Mangel und die Ausdünstungen schlecht begrabener Leichen herbeigeführt hatten.

Anderthalb hundert Jahre haben nun die Spuren jener Leiden so verwischt, dass nur die schriftliche Tradition, Volkssagen und zerstreute, leider oft mit großer Kälte übersehene Denkmäler ihre Erinnerung bewahren. Steinschriften, Altäre, Messenstiftungen, Votivbilder, feierliche Gebetumzüge, türkische und gegen die Türken aufgeworfene Schanzen, eingemauerte oder sonst aufbewahrte Steinkugeln, Fesseln von befreiten Sklaven dankbar an den Altären aufgehängt, türkische Waffen und Geräte in den Rüstkammern, sind solche Denkmäler. So z. B . die Inschrift in Katzelsdorf, der Altar in Weidling, die Votivtafel in Rabenstein, die Stiftung in Sebenstein, die Türkenschanzen bei Wien und Mauerbach, und die alten Türkengehege bis nach Ober-Österreich hinauf, die Türkenkugeln in Sievering, Saubersdorf usw., die Ketten in Lanzenkirchen, das türkische Zelt in Kranichberg, mehrere Waffenstücke in Sebenstein. – Auch das Pflanzenreich bewahrt solche lebende Denkmäler in einigen, den südlichen Ländern ursprünglich eigentümlichen, nun aber in Gegenden Österreichs, wo Türken gelagert hatten, auch wildwachsenden Pflanzen, deren Same vielleicht in Futtersäcken und Packwagen hierher verpflanzt worden war – vor allen in den herrlichen türkischen Haselnussbäumen von Merkenstein, Saubersdorf usw.

Diese flüchtige Darstellung mag nur als eine Hinweisung dienen, wie ungemein anziehend eine ausführliche Schilderung dieser Verhältnisse sein müsste, - sie mag zugleich auf die unendliche Kraft hindeuten, welche in dem guten Volke, in dem guten Boden, welche in den Männern lag, welche jene Kraft zu leiten wussten. – Sie möge endlich die Nachbarländer erinnern, was Österreich für sie gelitten und gehandelt, - sie möge ein neuer Beweis sein für die Wahrheit des alten Pokalsymboles, das wir mit Bezug auf jene arge Zeit auslegen wollen: Austria erit illaesa omni vicisaitudine!

Reisebeschreibung von Amstetten bis Strengberg 1839

Eine interessante Beschreibung seiner Reise findet man im Buch des Friedrich Emanuel von Hurter "Ausflug nach Wien und Presburg, im Sommer 1839, Band 2" von 1840. Dabei hat er auch in Amstetten verweilt, wo er eine Anekdote über den Nachwächter zu erzählen weiß. Amüsant ist auch, wie er den entstehenden Ort Ludwigsdorf (bei Zeillern) auf's Korn nimmt.


Weg nach Linz


Von Melk bis Amstetten ist der Weg ziemlich eben. Man fährt durch schöne Dörfer, doch auch hier, an der Straße wenigstens, in minderer Zahl, als auf dem Weg erwähnten Wege nach Steyermark. Über die glatten, gutgenährten und kräftigen Pferde, denen man vor Pflügen und Bauernwagen begegnet, lassen auf Wohlhabenheit der Landesbewohner schließen, da vielleicht auch hier jene Verhältnisse bestehen mögen, wie in Oberösterreich. Amstetten ist ein ansehnlicher Markt mit mehr als einem Haus von städtischem Ansehen. In der Nacht wurde ich durch ein lange dauerndes, nach einer uralten, höchst einfachen Weise gesungenes Rezitativ geweckt. Es war der Nachtwächter, der einen großen Spruch absang, von welchem ich jedoch nichts verstand, als das Lob der „hochheiligen Dreieinigkeit“. Er stand wahrscheinlich am Schluss seines nächtlichen Stundenrufes, den nahenden Morgen verkündend. Diese Sitte, vor dem ergrauenden Tag die Menschen zum Preis des Höchsten zu ermuntern, statt ihnen bloß den Glockenschlag hinzubrüllen, ist ebenfalls ein Überbleibsel jener Zeit, in welcher die Faden des individuellen wie des häuslichen Daseins, des Gemeinde- wie des Staatslebens, noch von dem Christentum, als von goldener Spindel, sich abwickelten, oder dieses als goldener Zwirn durch das Große wie durch das Kleine, durch alltägliches wie durch außergewöhnliches, durch Raum und Zeit sich durchschlang, und es noch niemand zu Sinn kommen konnte, über christliche Altertümer zu schreiben, ein Zeig der Wissenschaften, welcher wahrscheinlich immer mehr sich ausbilden wird.

Von Amstetten bis Enns zieht sich die Straße über Höhen und durch Niederungen. Der Ort Strengberg führt seinen Namen nicht umsonst. Von Oed an beginnen Alleen von Fruchtbäumen, meist Birnbäume. Man sieht es Stämmen und Kronen an, dass das Klima ihrem Wachstum förderlich sein müsse, desto weniger dagegen geschieht durch die Sorgfalt und Pflege der Menschen. Die wilden Ranken wuchsen lustig, die abgestorbenen Äste schlangen sich durch die lebendigen und das dürre Reisig mischte sich in das Grün. Ein Jahressegen war nicht bemerkbar, nur selten, dann bloß sparsam, war ein Baum mit Früchten geschmückt. Vor Oed scheint auf beiden Seiten der Straße eine Kolonie – Ludwigsort (Ludwigsdorf) – im Entstehen zu sein. Viele kleine Häuser – eigentlich Hütten – alle nach gleichförmigen Muster gebaut, waren teils der Vollendung nahe, andere noch im Bau begriffen. Ein einziges Haus zeichnete sich durch Größe und Höhe vor den übrigen aus, es war die Schmiede und zugleich Schenke. Nach etwas, was auf eine Kirche oder Kapelle hätte schließen lassen, sahen wir über der langgedehnten Hüttenreihe vergeblich uns um. Ehedessen entstanden die Dörfer um Kirchen, jetzt bilden sie sich um Kneipen her. – Umgegrabene Waldbäume weckten die Vermutung, dass durch diese Kolonie ein Stück Waldboden solle urbar gemacht werden. Scheunen jedoch waren nicht zu sehen. Wären die Hütten näher zusammengerückt.

Und noch etwas schlechter gewesen, so hätte man sich in eines jener ärmlichen Dörfer der Grafschaft Henneberg versetzt geglaubt, die im Vorüberfahren den Eindruck vereinigter großer Maulwurfshügel zurücklassen.

Der Most und sein Viertel - Eine Region stellt sich vor



Nr. 194 - 1. Mai 1988 - 17. Jahrgang


Der Most und sein Viertel - Eine Region stellt sich vor


Gedanken zur Präsentation des Mostviertels im Rahmen der NÖ Landesaustellung 1988 im Stift Seitenstetten (Von Peter Kunarth)



Wenn ein Land ein Getränk – z.B. den Most – zu seinem Taufpaten erwählt, spricht das für seine Tradition, spricht das aber auch für die Umgänglichkeit seiner Menschen. Oft wird er scherzhaft als „Landsäure“ bezeichnet, es gab aber auch Zeiten, in denen der „Most“ die Grundlage des Wohlstandes dieses schönen Landesteils von Niederösterreich gewesen ist. Heute jedoch ist es weniger das Produkt „Most“, das dieses Landesviertel für den Besucher anziehend macht, sondern es sind vielmehr die für die Obstgewinnung notwendigen großen Mostobstbäume, die dieses Land im Frühling zu einem Blütenkranz werden lassen.

Mit der Bezeichnung Mostviertel kann sicher fast jeder etwas anfangen und man weiß, wo dieses Land liegt; wenn allerdings jemand nach den Grenzen dieses Viertel gefragt wird, wird er schwerlich eine eindeutige Antwort erhalten. Oft ist es das gesamte Viertel ober dem Wienerwald, das als Mostviertel bezeichnet wird, oft wird auch der landschaftlich gleichartige Bereich des benachbarten Oberösterreichs miteinbezogen; oft wird nur der sanft hügelige Bereich der Region Amstetten mit Teilen der politischen Bezirke Melk und Scheibbs darunter verstanden. Wie schwer eine genaue Abgrenzung ist, zeigt dass der charakteristische Anbau von Mostobstbäumen bis tief in die Eisenwurzen reicht und auch die für das Mostviertel typische Form des Vierkanters teilweise im Raum ST. Pölten, aber auch im Bergland von Kürnberg zu finden ist.

Wie man die Grenzen aber auch immer sieht, es ist der Mostobstbaum, der in diesem Landesteil Tradition hat und der die Landschaft dieses Viertels prägt. Es dürften die Kelten gewesen sein, die erstmals ein haltbares vergorenes Getränk aus Birnen und Äpfeln erzeugt hatten und dieses in unser Land gebracht haben. Der Bereich zwischen Ybbs und Enns galt schon seit Jahrhunderten als Kernland eines ertragreichen Mostobstbaues, da der fruchtbare Boden und das hügelige Gelände beste Voraussetzungen für die Entstehung großer Mostwirtschaften geboten haben. Schon in der Barockzeit wurde der Most als gesunder, kräftiger Trank gewürdigt und die Pracht der blühenden Bäume wurde oft erwähnt. Aus den Kämmereirechnungen des Stiftes Seitenstetten vom Jahre 1714 kann man ersehen, dass die Wirte schon damals für ihren Umsatz eine Art Getränkesteuer, den Taz, zu leisten hatten.

Auch der Fiskus hat sich etwa in dieser Zeit erstmalig für den Mostverkauf interessiert. Der steigende Mostumsatz und die Wahrung gerechter Wettbewerbsbedingungen gegenüber dem Wein waren die Ursache einer Versteuerung. Der Most war – im Gegensatz zu heute – eine echte Konkurrenz für den Wein und das Bier. Es wurde damals schon sehr viel Most gepresst, und eine Verordnung über die Neupflanzung von Baumalleen zur Zeit Maria Theresias vergrößerte dann noch den Obstbaumbestand. Wie in vielen anderen Sparten – zum Beispiel bei der Einführung des Kartoffelbaues im Stift Seitenstetten um 1620 – waren es auch hier die Klostergärten, die sich um die Obstbaumzucht besonders verdient gemacht haben. Die beginnende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und das Anwachsen der Orte verhalfen dem vergorenen Obstmost zu einer Hochblüte. Die Mostbauern transportierten ihren Most mittels eigener Mostladewagen bzw. Schlitten in die Gasthäuser oft weit entfernter Gebiete Niederösterreichs; auch auf dem Wasserweg, z.B. Auf der Donau ab Wallsee wurde der Most flussabwärts durch das Weinland bis nach Wien gebracht. Später gelangte der Most durch Bahntransport oder durch LKW-Lohnfuhrwerke in weit entfernte Gebiete.

Aus den Erträgnissen guter Mostjahre konnte in den landwirtschaftlichen Betrieben zusätzlich sehr viel investiert werden. In guten Obstjahren übertraf diese Wirtschaftssparte sogar den Ertrag einer durchschnittlichen Getreideernte. Durch den hohen Mostabsatz profitierten aber auch andere Wirtschaftszweige, wie Zimmerer, Binder oder Steinmetze. Die fortschreitende Technik vereinfachte durch Verbesserung des Pressvorganges die Mostgewinnung. Die oft mit reichen Schnitzornamenten versehen gewesenen Pressen  sind heute durch hydraulische Packpressen ersetzt. Aber selbst in unserem technisierten Zeitalter muss jede Birne und jeder Apfel noch händisch aufgeklaubt und in Säcke gefüllt werden. Es bedarf die Pflege der Fässer und der Pressen, aber auch das Abfüllen und Lagern in den  Kellern eines hohen Arbeitsaufwandes.

Die Bewohner des Mostviertels sind sehr ausgeglichene und offene Menschen, voller Freundlichkeit, doch auch voller Selbstbewusstsein, die immer noch oder auch schon wieder diese mühevolle Arbeit zur Erhaltung der Kulturlandschaft dieses Viertels auf sich nehmen. Es sind ja die großen und mächtigen Obstbäume, die diese Landschaft prägen und die den eigentlichen Blickfang auf den weiten Feld- und Wiesenflächen, die sonst nur durch kleiner „Waldschacherl“ oder Bachgehölze unterbrochen sind, darstellen.

Aber auch die Schutzfunktion der großen und mächtigen Mostobstbäume war vor allem im Bereich der Baulichkeiten im Mostviertel immer schon anerkannt und genutzt worden. Es wurde kein Gebäude – egal ob Vierkanthof oder kleine Kapelle – errichtet, ohne dass unmittelbar daneben ein Baum gepflanzt worden wäre. Man hatte auch die Rotten und Dörfer des Mostviertels mit Obstbäumen umgeben, um die starken Kontraste der Silhouette der Häuser zu vermeiden, aber auch um einen Schutz vor dem Wind und Wetter zu erreichen. Es wurde kein Bauwerk höher gebaut, als die umgebenden Obstbäume an Höhe erreichen konnten. Es wurden nur Mostobstbäume oder andere starkastigen Laubbäume gepflanzt, denn diese schützten im Sommer durch ihre Belaubung das Bauwerk vor der Sonne und ließen im Winter im Gegensatz zu den bei Bauwerken unüblichen Nadelbäumen mehr Licht zu den Fenstern durchfallen.

Der Vierkanter ist sicher der eindrucksvollste Bauernhoftyp, den wir in Österreich kennen. ER beeindruckt durch seine Größe, seine Symmetrie und doch einfache und vielfach ornamentarme Bauweise. Die besondere Wirkung des Vierkanters im Mostviertel liegt in der Wuchtigkeit seiner Erscheinungsform, aber auch in seiner betont freien Situierung in der Landschaft, meistens inmitten der dazugehörigen Fluren. Trotz dieser Lage sind die Höfe in die Natur, in die Landschaft eingeordnet und eingebunden; man hat „landschaftsgebunden“ gebaut. Die Gebäude wurden auf das Gelände abgestimmt und so entstand der Eindruck, als ob die Vierkanthöfe aus der Landschaft herausgewachsen wären.  Der Grundsatz der natürlichen Ordnung im Bauen, der „Einheit im großen und der Vielfalt im kleinen“ ist gerade bei den Mostviertler Vierkanthöfen leicht erkennbar. Dieser vom Westen nach Niederösterreich kommende – bajuwarische – Hoftyp ist in seinem Grundriss und seinen Gebäudeproportionen fast überall gleich, in der Fassade gibt es aber eine Vielfalt im Detail, da diese immer dem Zeitgeschmack unterworfen waren. So finden wir unter den Mostviertler Vierkanthöfen äußerst reizvolle Jugendstilfassaden, aber ebenso klassizistische oder aus der Barockzeit abzuleitende Elemente, die mit relativ einfachen Gestaltungsdetails bis in das 20. Jahrhundert hinein verwendet wurden.

Es wurde aber auch „Materialgerecht“ gebaut, das heißt, dass die Bauweise eines Hauses vom relativ engen Angebot der Baumaterialien einer Gegend bestimmt war. Im westlichen Mostviertel waren es meist die im eigenen Ofen gebrannten Ziegel, die durch ihre handwerkliche Fertigung die Fassaden belebten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einem Zeitraum, in dem der Wirtschaftszweig „Most“ besonders blühte, wurden anstelle der bis dahin verwendeten geschlagenen, nun gebrannte Lehmziegel verwendet. Nach Fertigstellung der Kaiserin Elisabeth-Westbahn waren Arbeitskräfte, die des Ziegelbrennens kundig waren, freigeworden und verbreiteten diese Technik im Mostviertel. Eine Besonderheit bilden dabei die in betontem Schichtmauerwerk hergestellten Vierkanter des Enns-Donauwinkels (Opus Romanum). Rote Ziegelscharen wechseln sich dabei mit fischgrätartig verlegten Stein oder Schotterschichten, die durch eingelagerte, kalkverputzte Bänder betont werden, ab. Im südlichen, zu den Voralpen zählende Bereich des Mostviertels um den Kürnberger Wachtberg war auf Grund des Materialangebots bei Vierkanthöfen ein Natursteinmauerwerk mit weiß hervortretender Verfugung üblich. Dadurch entstand eine äußerst reizvolle natürliche Fassadengliederung dieser Höfe.

Der durch die blühende Mostwirtschaft entstandene Wohlstand des Mostviertels im 19. Jahrhundert ist auch an der Umgestaltung der Bauernhöfe erkennbar. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch kaum zweigeschossige oder besonders wuchtige Vierkanthöfe, wie sie damals im oberösterreichischen Raum schon üblich waren. Es waren oft nur Vierseithöfe, auch waren die meisten Gehöfte nur ebenerdig errichtet und wurden erst damals aufgestockt. Das ist noch an den typischen größeren Fenstern des Obergeschosses gegenüber dem Erdgeschossfenster erkennbar. ES wäre aber sicher falsch, den Bereich des Mostviertels mit dem Gebiet des Vorkommens des Vierkanters abzudecken. Man findet diesen in den Ebenen des Donauraumes, aber auch in dem leicht hügeligen, flächig gegliederten Alpenvorland, wie auch dem steileren Gelände des mit Wald durchsetzten Voralpenbereichs. Der Übergangsbereich des Vierkanters in den Mischbereich des Vierseithofes liegt östlich von Amstetten. Im Süden der Region Amstetten drängt die Form des alpinen Streckhofes vom oberösterreichischen Voralpenraum herüber. Zwischen Waidhofen und Gresten finden wir die einzigartige Form des Doppel-T-Hofes. Im südlichen Bereich der Region Amstetten sind es die reizvollen alpinen Paar- und Haufenhöfe, die gemeinsam mit der Hammerherrenarchitektur der Eisenwurzen die Landschaft prägen.

Diese traditionelle Ordnung der landschaftsprägenden Einzelgehöfte des Mostviertels wurde auch bei den Bauformen der Sammelsiedlung des Mostviertels und der Eisenwurzen, bei den Bürgerhäusern der Städte und Märkte, aber auch in den Dörfern und Rotten, in denen die bäuerlichen Bauformen überwiegen, eingehalten und fortgesetzt. Diese Ordnung drückt sich dort in der Harmonie der baulichen Ensembles aus. Sie besteht zumeist in den gleichen Grundproportionen der Straßenfassaden der Häuser, aber auch im Rhythmus oder Takt der Anordnung der Öffnungen der Gebäude. Es gab und es gibt im Mostviertel keine Großstädte, die Gründung der Siedlungen und Städte erfolgte in geschützten Standorten, sie erfolgte vor allem an den für den Wohlstand der Region wichtigen alten Handelswegen.

Waidhofen an der Ybbs und Ybbsitz als Beispiel genannt, wurden reich als Umschlagplatz und Verarbeitungsstandorte für Eisen. Di heimliche Hauptstadt des Mostviertels, Amstetten, erlebte seine große Entwicklung zum Schul- und Wirtschaftszentrum erst viel später, ab der Errichtung der Eisenbahn. Es erreichten Märkte wie St. Peter und Aschbach mit ihrer ländlichen, kleinstädtischen Bebauung einen gewissen Reichtum durch ihre Lage inmitten des fruchtbaren Bauernlandes. Viele Orte wie z.B. Strengberg oder Oed entstanden an den wichtigsten Durchzugsstraßen, deren Bedeutung sich noch heute durch die geschlossenen Reihen der vielfach stattlichen Häuser zu beiden Seiten der Bundesstraße abzeichnete. Heute – nach Errichtung der Autobahn – haben kleine Orte und Märkte viel von ihrer Bedeutung eingebüßt.

Die Brauchtumspflege sowie die zahlreichen Ortsbild- und Dorferneuerungsaktionen haben das Leben in diesen Orten in unserer Zeit wieder bereichert. Ein nicht auf das Mostviertel beschränktes Problem ist dabei, dass Schulen in manchen Orten aufgelöst werden mussten und Pfarren nicht mehr besetzt werden konnten, aber auch, dass Orte, denen die Beziehung zueinander fehlt, zu größeren Verwaltungseinheiten zusammengelegt wurden.

Besonders hervorzuheben ist aber, dass die verschiedenen Formen der Kultur, die Hochkultur und die naive Volkskultur bzw. das bodenständige Künstlertum im Mostviertel nicht wie zwei fremde Welten aufeinanderprallen. Trotz der Verschiedenartigkeit dieser Kulturbereiche, die vergleichbar ist mit den individuellen Charakteren der Mostviertler Menschen, aber auch der Vielfalt der Landschaftsformen dieser Region, haben sich diese unterschiedlichen Kulturkreise immer gegenseitig ergänzt und befruchtet. Ebenso wie die im Mostviertel gar nicht so wenigen Schlösser Vorbild für die vielen monumentalen und fast schlossartigen bäuerlichen Vierkanthöfen gewesen sind, haben die Erbauer des einzigartigen barocken Meierhofes des Stiftes Seitenstetten, in dem sich die Regionalausstellung  befindet, die klassischen Formen des Vierkanters von den bäuerlichen Betrieben übernommen.

Beeindruckend ist auch die Fülle von kulturell hochwertigen Einrichtungen und Bauwerken im gesamten Mostviertel. Hervorragende Kulturgüter sind z.B. die bedeutsame römische Jupiter-Dolichenusstatue in Mauer, das romanische Kirchlein in Rems, das einzigartige Margaretenfenster in Ardagger und die an gotischen Maßwerkformen reichen Kirchen Weistrach oder Krenstetten, aber natürlich auch das große Barockstift Seitenstetten und die Basilika am Sonntagberg.  Durch adeliges Mäzenatentum sind zahlreiche kulturelle Kleinode entstanden und das war wieder Vorbild für die Errichtung der zahlreichen Kapellen und Bildstöcke durch das Bürgertum und die Bauern. Es gibt kaum einen Landesteil, der so reich ist an Kleindenkmälern dieser Art, wie z.B. die wuchtige  und eher schlichte Form der Kapellen des Mostviertels oder der sehr aufwendige und vielfältige Kapellentyp der Eisenwurzen.

Naturnähe und Religiosität waren für den Mostviertler Menschen immer untrennbar. Sie bildeten die Grundlage des Lebens im Mostviertel und formten die wirtschaftliche Gegenwart, die Politik, aber auch die Kultur des Landes bis heute mit. Sie waren Grundlage für die Aufgeschlossenheit und das Selbstbewusstsein der Menschen in diesem Landesteil.

Die diesjährige Landesausstellung soll die Schönheit und die Reize unseres Mostviertels den einheimischen und den fremden Besuchern bewusster machen.
Sie soll vor allem ein Schaufenster des Mostviertels sein und zu weiteren Besuchen in diesem Landesviertel und zum Genuss seines Getränks einladen

Sonntag, 16. September 2012

Alte Mythen und Überlieferungen aus Amstetten

Im Buch "Mythen und Bräuche des Volkes in Österreich" aus dem Jahre 1859 sind drei sehr alte, volkstümliche, fast unbekannte Sagen bzw. abergläuchische Geschichten aus dem Bereich Mostviertel und Amstetten in Niederösterreich zu finden.

 Mythen über Wotan

In Amstetten (Niederösterreich, Viertel ober dem Wienerwald) lebte eine arme Bauernfamilie. Vergebens suchten einst die älteren Knaben Beschäftigung bei einem Kohlenbrenner. Sie lagen gerade im Walde, als plötzlich ein großer Mann vor ihnen stand, der in einen weiten Mantel gehüllt war, und auf einem großen Schimmel saß. Sie klagten ihm ihre Not, und er bestellte sie auf den folgenden Tag, er wolle ihnen dann Arbeit geben. Diese bestand darin, daß sie auf dem höchsten Punkte des Berges einen kleinen Hügel machen sollten. Das geschah, und am Abend eines jeden Tages fanden sie ihren Lohn auf einem Steine liegen. Nach acht Tagen waren sie fertig und als sie eines Morgens zum Fenster hinaussahen, erblickten sie den Gipfel des Berges in Wolken gehüllt. Und so oft ein Gewitter entstand, schien der ganze Berg in Feuer zu stehen. Manchmal sahen die Bewohner von Amstetten einen großen Mann auf einem weißen Rosse hinaufreiten, und das bedeutet dann immer Regen. Lange Jahre hindurch soll der Gipfel des Berges mit Wolken bedeckt geblieben sein, und niemand wagte es hinauf zu gehen, bis eines Tages die Wolken verschwunden waren. Noch immer sagt man, wenn Nebel auf dem Berge ist: „der Mann ist oben“


 Wotan und der Tod – Über die Gestalt des Todes und den Totenritt

In Amstetten (Niederösterreich) fährt der Teufel in der Christnacht um zwölf Uhr auf einem feurigen Wagen sitzend herum. Dieser Wagen wird von zwei schwarzen Pferden gezogen, die feurige Augen haben. So erzählte ein Mann aus dem Orte. Wir fragten ihn, ob er schon Gelegenheit gehabt habe, den Teufel auf seiner Spazierfahrt zu sehen. Davor behüte mich Gott, antwortete er; denn der Teufel lässt sich auf seinen Fahrten nicht gerne beobachten und dreht einem jeden, der ihm begegnet, den Hals um, oder kennzeichnet ihn auf irgend eine andere Weise. Bei uns in Amstetten, fuhr er fort, war einmal eine Magd, die wollte gerne den Teufel spazieren fahren sehen. Sie blieb daher in der Heiligen Nacht auf, und sah um zwölf Uhr zum Fenster hinaus. Richtig kam der Teufel daher gefahren, und gab ihr eine solche Ohrfeige, daß man des anderen Tages alle fünf Finger des Teufels auf der Wange des Mädchens sah.

Entrückung 


Wenn ich im Stande wäre, diesen Menschen auf den „Hetscherlberg“ (Hetscherl =Hagebutten, auch Hetscherpetsch) zu wünschen, so würde ich es gern tun! So hört man viele Menschen ausrufen, wenn sie im Zorne sich eines Feindes entledigen wollen, ohne es jedoch zu können.  Fragt man einen von ihnen, warum er seinen Feind auf dem Hetscherlberg haben wolle, so antwortet er: Wenn einmal dort einer ist, so kommt er gewiss nicht wieder, um mir zu schaden oder um mich zu ärgern; denn der Hetscherlberg ist ein Berg, auf dem ein großer Teich ist. In diesem Teiche sind sehr viel Fische, die lauter verbannte Geister sind.
Der Hetscherlberg, auf den die Geister gebannt sind, ist nach der Volksmeinung ganz mit Dornengesträuchen bewachsen. Auf seinem Gipfel befindet sich ein Teich, in dem die Geister in Gestalt von Fischen verweilen. Dort müssen sie eine bestimmte Zeit bleiben, dann aber sind sie wieder frei. Wann aber diese Zeit aus ist, das weiß niemand. Auch der Ort ist unbekannt, wo sich dieser Berg befinden soll. Nach der Erzählung eines Bauern sind die Geister darum in Fische verwandelt, damit es ihnen unmöglich sei, den Berg zu verlassen. Als Fische bedürfen sie des Wassers, und da sein Bach sich dort befindet, so können sie nicht herab. Diese Fische schwimmen immer an der Oberfläche des Wassers und schnappen beständig nach Luft. Dabei sind sie so zahm, daß vorbeigehende Menschen sie mit großer Leichtigkeit fangenkönnen. Wanderer haben dort schon einige gefangen, und doch weiß man nicht, wo der Berg eigentlich liegt.
Nach Amstetten (Niederösterreich) sind einmal zwei arme Handwerksburschen bekommen. Sie wussten nicht, wie sie ihren Hunger stillen sollten; denn sie hatten nur wenige Fische bei sich. Sie hatten dieselben in einem Teiche gefangen, den sie fanden, als sie sich im Walde verirrten. Im Wirtshause, in das sie eingekehrt waren, konnten sie sich nichts kaufen, und baten daher die Wirtin, ihnen ein wenig Schmalz gegen ein Vergelt’s Gott zu überlassen. Die Wirtin sah ihnen den Hunger an und schenkte ihnen daher etwas Schmalz. Fröhlich ging‘s nun an das backen der Fische. Bald waren sie in der Pfanne und die Handwerksburschen freuten sich herzlich, als die Stücke der Fische sich braun zu färben begannen. Als die Fische beinahe fertig gebacken waren, bespritzte die Wirtin, wie es auf dem Lande üblich ist, die Fische mit Weihwasser. Da entstand ein gewaltiger Lärm in der Pfanne, die Fischstücke flogen nach einander zum Rauchfang hinaus und die Handwerksburschen hatten nichts als das Nachsehen. Die Bauern aber erkannten nun, daß die Fische aus dem Teiche vom Hetscherlberg waren.