Sonntag, 15. Juni 2014

Gemeinde Wolfsbach (Teil 3)

Nr. 69 – 1. Jänner 1978 – 7. Jahrgang

Gemeinde Wolfsbach (Teil 3)

(Verfasst von Oberstudienrat Dr. Rosine Schadauer)

Anton Schwetter veröffentlichte etwa ein halbes Jahrhundert  später, 1884, seinen Bericht über Wolfsbach. Mit Schweickhardt hat er gemeinsam die statistische Erfassung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und die liebevolle Beschreibung der Landschaftsformen. Schwetter weist darauf hin, dass die Bewohner „mit Ausnahme einiger Handwerker durchaus Landbauern sind, welche Feldbau, eine vorzügliche Obst- und Viehzucht treiben“. Ferner vermerkt er: „Das hier gebaute Korn ist als Samenkorn unter dem Namen Wolfsbacher Korn ein gesuchter Handelsartikel“.

Die folgende statistische Erhebung Schwetters unterscheidet sich von der Schweickhardts dadurch, dass sie die Berufe außer acht lässt, dafür bietet sie Angaben über „Flächeninhalt“, Wohnparteien (Familien?), Ziegen und Bienenstöcke. Die Pferde haben an Zahl seit Schweickhardt um fast 100 (303-392) zugenommen, dafür scheinen die Ochsen, die vielfach als Zugtiere verwendet worden waren, nicht mehr auf.


Wolfsbach
Meilersdorf
Bubendorf
Summe
Flächeninhalt
975 ha
1002 ha
1114 ha
2091 ha





Häuser
99
99
97
295
Einwohner
631
572
617
1819
Männlich
334
290
312
936
Weiblich
297
281
305
883
Wohnparteien
129
110
110
349





Pferde
130
156
106
392
Rinder
672
723
687
2082
Ziegen
17
20
31
68
Schafe
102
69
95
266
Borstentiere (Schweine)
384
386
541
1311
Bienenstöcke
28
28
52
108

Zwischen den beiden Darstellungen waren tiefgreifende Änderungen im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge Österreichs eingetreten: Die Bauernbefreiung war 1848 durchgeführt worden. Die 1858 eröffnete Westbahn grenzt im Süden Wolfsbach gegen Seitenstetten ab, und im Gefolge der industriellen Revolution hatten die ersten Maschinen ihren Einzug in den Bauernhof gehalten.

Neue soziale Probleme traten an die Stelle der alten. Die Fabriken zogen Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft ab. Der aufkommende Kapitalismus machte das Geld stärker als bisher zum Wertmaßstab für Wohlstand und soziales Prestige. Das finanziell schwache Bauerntum sah sich vor neue Schwierigkeiten gestellt. ES bemühte sich daher um eine Anhebung der Erzeugung und der Preise für seine Produkte. Diesem Bemühen stand hemmend gegenüber die drückende Konkurrenz des landwirtschaftlichen Exports aus Ungarn.

Die Bauernbefreiung hatte auch ihre negativen Auswirkungen. Mit der Grundherrschaft war auch eine Schutzfunktion verbunden gewesen, die sich in Katastrophenfällen, wie Brand, Viehsuchen, Hagelschlag, bewährt hatte. Diese Funktion war nun erloschen, und neue Einrichtungen waren noch nicht an ihre Stelle getreten. So wird verständlich, dass gerade in der Zeit nach 1848 auffallend viele Bauern ihre Höfe verlassen mussten.

Eine Verbesserung dieser Situation trat erst ein, als sich die Bauern politisch im Bauernbund organisierten, Genossenschaften für den Absatz der landwirtschaftlichen Produkte sorgten und Raiffeisenkassen Geld zu erschwinglichen Zinsen zur Verfügung stellten. In Wolfsbach wurde 1889 die Raiffeisenkasse unter dem Obmann Johann Schadauer, Bürgermeister von Meilersdorf, gegründet. Ein immer mehr sich ausdehnendes Versicherungswesen schuf Abhilfe in Katastrophenfällen.

Ursprung und Entwicklung des Schulwesens, Musikpflege

Schon 1700 existierte eine einklassige Schule in Wolfsbach. Der Zeitpunkt ihrer Entstehung ist nicht näher bekannt. Die Schulpflicht war noch nicht gesetzlich verankert. Dass die zunächst einklassige Schule schon 1735 vergrößert wurde, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass immer mehr Eltern vom Bildungsangebot Gebraucht machten.

Zwischen 1770 und 1780 wurde die einklassige Schule zu einer zweiklassigen erweitert und 1828 durch einen Zubau um ein merkliches vergrößert und zweckmäßiger gestaltet. Dass besonders ältere Menschen nicht selten des Schreibens noch unkundig waren, zeigt ein Kauf- und Übergabsvertrag vom 28. Juli 1945. Sowohl die übergebenden Eltern wie der für den minderjährigen Sohn und Erben aufgestellte Kurator sind noch „Kreuzelschreiber“.

Der junge Übernehmer leistete selbst seine Unterschrift. Noch immer also erfasste die Schule nicht alle Kinder, obwohl das erste grundlegende Schulgesetzt in Österreich, die Theresianische Schulreform von 1774, die allgemeine Schulpflicht festlegte. Das Reichvolksschulgesetz vom 14. Mai 1969 legte die allgemeine Schulpflicht endgültig und rechtswirksam fest und erweiterte die Lehrfächer durch Naturkunde, Zeichnen und Turnen. 1876 wurde eine dritte Klasse eingerichtet.

Das erste Schulhaus ist nicht bekannt. 1877 übersiedelte die Schule vom heutigen Karyhaus, Nr. 6, in das neuerrichtete Schulhaus auf dem Pfarrplatz. Die heutige Schule, mit deren Bau 1965 begonnen wurde, liegt am südlichen Ortsende, in gemessener Entfernung von der Straße. Sie verfügt im Süden und Westen über ausgedehnte Turnplätze.

Mit Beginn des Schuljahres 1968/69 wurde eine Hauptschule Wolfsbach errichtet.
An der alten Volksschule wirkten schon im vorigen Jahrhundert und noch viele Jahrzehnte danach zwei Lehrerpersönlichkeiten, die als Volksbildner im besten Sinne des Wortes eingeschätzt werden dürfen: Johann Puschl und Florian Schöberl. Sie machten sich besonders um die Pflege der Instrumentalmusik und des Gesangs verdient. Ihnen ist es zu danken, dass bis heute und mit größerem Erfolg diese beiden Künste gepflegt werden:

Es kam 1922 zur Gründung eines Salonorchesters des Männergesangsvereins mit ca. 16 Mann. Daraus entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das „Wolfsbacher Streichorchester“ mit 35 Mitgliedern, das 1949 die „unvollendete“ von Schubert aufführte. Seit 1923 besteht der „männergesangsverein Wolfsbach“; der Kirchenchor führte Messen von Schubert und Haydn auf. Elisabeth Sturm, ausgebildet am Brucknerkonservatorium Linz, erbringt vorzügliche Leistungen bei Konzerten. Sie ist ebenso wie die „Wolfsbacher Geigenmusik“, 1970 gegründet, wiederholt im Rundfunk zu hören. Die Geigenmusik wirkte auch in dem Farbfernsehfilm mit „‘s Kind ist überall – ein weihnachtlicher Bilderbogen durch Österreich“. Er wurde am Heiligen Abend 1972 ausgestrahlt.

Das sind Leistungen, wie sie wohl selten eine ländliche Gemeinde dieser Größenordnung erzielt!

Postwesen
Schon früh besorgten pferdebespannte Postkurse und Menschen als Lastträger den kleinen Verkehr zwischen den Landorten. Als Annahme- und Abgabestellen der Güter dienten Gasthöfe. Ein Wolfsbacher, der Poststücke befördern lassen oder eine größere Reise antreten wollte, konnte dies von dem 10 km nördlich vom Ort gelegenen Markt Strengberg aus tun. Dort war schon 1689 ein Postgebäude errichtet worden, in dessen Stall 40 – 60 Pferde zum Wechseln bereitstanden.

Seit der Errichtung der Westbahn wurden nicht mehr Strengberg im Norden, sondern die Stationen und Haltestellen zwischen Stadt Haag im Westen und Aschbach im Osten für den Personen- und Güterverkehr benützt.

1867 wurde das Postamt Wolfsbach als Postexpedition mit Fahrpost begründet, 1883 wurden ein Postsparkassendienst und 1913 ein Telegraf und ein Telefon eingerichtet. Seit 1969 ist das Telefon durch die Automatisierung in den Selbstwählverkehr einbezogen.

Motorisierung

Die große Wende und den ungeheuren Fortschritt nicht nur im Personen- und Güterverkehr, sondern auch in der Landwirtschaft brachten der Explosions- und der Elektromotor.

In Wolfsbach waren 1938 fünf Autos angemeldet. Traktoren gab es überhaupt noch nicht. Nach dem Stillstand der Entwicklung während des Zweiten Weltkrieges stieg die Zahl der Motorfahrzeuge zuerst nur zögernd, dann aber sprunghaft an. Derzeit sind mehr als 350 Autos und mehr als 380 Traktoren zugelassen.
Die beiden Weltkriege und die Besatzungszeit:

Der erste Weltkrieg (1914-1918) brachte alle Leiden mit sich, die mit einem Völkerringen dieser Dimension verbunden sind. 47 Gefallene und 16 Vermisste waren zu beklagen. Wenn auch die vorwiegen bäuerliche Bevölkerung meines Heimatortes vor dem schlimmsten Hunger bewahrt blieb, war doch überall durch die Lieferpflicht bei Vieh und Getreide Schmalhans Küchenmeister, vor allem in den oft kinderreichen Familien der Kleinhäusler, Arbeiter und Angestellten. Eine große Anzahl russischer Kriegsgefangener sollten die Lücken füllen, die durch den Kriegsdienst der Männer entstanden waren. Die Qualität der Grundnahrungsmittel wurde immer schlechter, durch die Inflation der Nachkriegszeit stiegen die Preise ins Ungemessene. So stieg der Preis für ein Ei von früher 5 Heller auf 2000 – 3000 Kronen im Jahre 1922. Dem Mangel an Kleingeld suchte die Gemeinde durch Ausgabe von Notgeld zu begegnen. Das Wolfsbacher Notgeld – ein Gutschein im Wert von 10 Hellern – zeigt in schöner graphischer Ausführung das Relief des Ritters von Meilersdorf auf seinem Grabmal im linken Kirchenschiff.

Fleißige Sparer waren um ihre Ersparnisse gebracht worden, ein Verlust, der besonders die bäuerlichen Dienstboten hart traf.

Die politische Zerrissenheit und Unruhe zwischen den beiden Weltkriegen wurde auch in Wolfsbach spürbar. Am Ende stand der Zweite Weltkrieg (1939-1945), der die Schrecken des ersten bei weitem übertraf. An vielen Fronten erfüllten Wolfsbacher ihre harte Pflicht. Nach Jahren des Wartens, Hoffens und Bangens stand die traurige Bilanz fest: Wolfsbach musste 83 Gefallene und 38 Vermisste, insgesamt 121 Kriegsopfer, beklagen; das sind 58 mehr als im Ersten Weltkrieg.

Im Jahre 1966 wurde den Toten der beiden Weltkriege ein neues Denkmal errichtet, weil das alte aus dem Jahre 1921 zu einer Behinderung des Verkehrs auf dem Pfarrplatz geworden war. In der kleinen Eingangshalle vor dem Tor in die Kirche, „Bettellaube“ genannt, sind auf einer Wandtafel die Bilder der Gefallenen angebracht. Die Familie Fuchs hat 5 Söhne verloren.

Vor- und unmittelbar nach Kriegsende erlitten Menschen in Wolfsbach auf grausame Weise den Tod, z.B. durch Bombardierung von Eisenbahnzügen im Bahnhof St. Peter in der Au. Am Christtag 1944 fielen im Bereich von Bubendorf/Loosdorf eine große und zwei kleine Sprengbomben auf freies Feld, sie verursachten keine menschlichen Verluste. Der Gedenkstein eines Massengrabes auf dem Friedhof hält die traurige Tatsache fest, dass in den letzten Kriegstagen 14 Konzentrationslager-Häftlinge von den sie begleitenden SS-Wachmannschaften auf den Straßen von Wolfsbach ermordet wurden. Die Russeninvasion erfolgte am Fest Maria Himmelfahrt (10. Mai 1945). Sie kostete vier Menschen das Leben. Bis Ende Oktober waren 3000-5000 Russen hier stationiert.

Trotz der drückenden Last der Besatzung wurde bald nach Kriegsende der Aufbau einer Landwirtschaft begonnen, der eine rasche Anpassung an eine völlig neue Situation ermöglichte. Der Mangel an Arbeitskräften, verursacht durch die Abwanderung in die Industrie und andere Berufe, hatte eine immer rascher voranschreitende Mechanisierung und die Beschränkung auf einen oder zwei Erwerbszweige zur Folge: Es sind dies: Milchwirtschaft, Stiermast, Schweinemast und Hühnermast (ca. 30 Betriebe). Der Traktor verdrängte dabei das Pferd zu Gänze.

In Zusammenhang mit der tiefgreifenden wirtschaftlichen Umwidmung der Räume im Bauernhof erfolgten einschneidende Veränderungen in Haus, Stallungen und Hof, die letzten Strohdächer verschwanden. Bei der Durchführung der Neu-, Um- und Zubauten, bei der Ausstattung der Wohnräume, zumal der Stube, wurde in dem meisten Fällen trotz Zugeständnissen an das zeitbedingte Nützliche und Bequeme der aus der Überlieferung gewachsene gute Geschmack gewahrt.

Die Entwicklung der Gemeinde Wolfsbachbietet nach 1945 folgendes Bild:

Die seit Beginn der Industrialisierung im vorigen Jahrhundert fortschreitende Landflucht führte zu einer Schrumpfung der Bevölkerung in der ursprünglich rein agrarischen Gemeinde:
1837 zählte Wolfsbach 2030 Einwohner, 1884 waren es 1819, 1951 noch 1727, 1961 1757, 1971 nur mehr 1721. In den letzten Jahren schwankte die Zahl zwischen 1720 und 1730. Es trat also eine Stabilisierung ein. Von den 1434 Erwerbstätigen sind nur mehr 735 in der Landwirtschaft tätig. 689 üben ein ländliches Gewerbe aus, sind Arbeiter oder Angestellte in Betrieben benachbarter Gemeinden oder verrichten Dienstleistungen (Stand von Ende 1976). Diese nichtbäuerliche Bevölkerung hat seit Kriegsende ca. 70 Eigenheime errichtet.

Die Gemeinderatswahlen von 1945-1970 ergaben zwischen 17 bis 17 Mandate für die ÖVP und 1 Mandat für die SPÖ. Die letzte Wahl (1975) brachte 2 Mandate für die SPÖ. Die Statistik für Sterbefälle zeigt ein Schwanken zwischen einem Maximum von 30 Toten im Jahre 1967 und einem Minimum von 14 Toten im Jahre 1973. Die Geburtenziffer hat bedauerlicherweise eine fallende Tendenz. Von 53 Geburten im Jahre 1962 fiel die Zahl fast ständig auf 23 im Jahre 1976.

Um die Entwicklung von Wolfsbach in den letzten Jahrzehnten machten sich besonders drei Persönlichkeiten verdient, die im Jahre 1896 geboren wurden: Med. Rat Dr. Viktor Koref, der 35 Jahre (1926-1961) mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit, aufopferungsvoll und selbstlos die Kranken betreute. „Sein Leben war reich, weil es reich war an Liebe“. Geist. Rat F. Hugo Berndl, OSB. Versah fast 40 Jahre (1937 bis zu seinem Tod 1976) als Pfarrer von Wolfsbach sein Amt hingebungsvoll „in Demut, Friedfertigkeit und Geduld“ – ein treuer Diener seines Herrn. Bürgermeister Josef Sturm, Landwirt, stand ein Vierteljahrhundert (1945-1970) in schwierigster Zeit (zeitweise 5000 Mann Besatzungstruppen) der Gemeinde vor. Ein Mann, der klugen Überlegung und des Ausgleichs, aber tatkräftig zugleich, hat er auch in schwierigster Situation Rat gewusst und Hilfe zu geben verstanden.

Die beiden tüchtigen Feuerwehren, Wolfsbach (gegründet 1897) und Meilersdorf (gegründet 1912), zählen 150 Wehrmänner. Anerkennenswert sind auch alle Aktivitäten im religiösen und sozialen Bereich, deren Initiatoren der Pfarrkirchenrat und das Katholische Bildungswerk sind. Den Geist echter Kameradschaft pflegen der Kameradschaftsabend und der Kriegsopferverband.

Seinen bisherigen Abschluss fand das Aufbauwerk dieser schlichten Landgemeinde durch die Verleihung eines eigenen Wappens, die der Herr Landeshauptmann Andreas Maurer in einer Festfeier am 10. April 1973 vollzog.


Gemeinde Wolfsbach (Teil 2)

Heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Amstetten
Nr. 68 – 1. Dezember 1977 – 6. Jahrgang

Gemeinde Wolfsbach
(verfasst von Oberstudienrat Dr. Rosine Schadauer)

Im September 1532 dagegen nahm eine Abteilung türkischer Soldaten bei ihrem Vorstoß nach dem Westen ihren Weg über Aschbach und Wolfsbach, wo sie die Pfarrhöfe niederbrannten. Demnach war der Pfarrhof von Wolfsbach in drei Jahren zweimal zerstört worden. Es lässt sich leicht abschätzen, welche Bedrängnisse durch Raub, Mord, Brand und Verschleppung von Menschen über die Heimat und damit auch über den Heimatort gekommen sind. Eine dritte und letzte Bedrohung durch den türkischen Erbfeind brachte das Jahr 1683. Wolfsbach blieb aber diesmal von Mord und Verwüstung verschont, während die Türken südlich von Amstetten barbarisch hausten.

An die Türkengefahr erinnern noch immer Bildstöcke und Gedenkkreuze. Durch Jahrhundert erklang vom Turm um elf Uhr ein Gedenkläuten, und noch lange sangen die Wolfsbacher bei der Prozession an den Bittagen: „Höhre gnödig uns’re Bitten, wende ab von uns’ren Hütten Krankheit, Krieg und Türkennot, gib uns unser täglich‘ Brot“!

Nachdem der Pfarrhof von Wolfsbach 1640 ein drittes Mal abgebrannt und wieder errichtet worden war, begann die von da ab ununterbrochene Führung von Matriken. Gleich im ersten Jahr wurden vierzehn Taufen, drei Trauungen und 38 Sterbefälle eingetragen.

Der österreichische Erbfolgekrieg (1741-1748)

... brachte nach langen Jahren einer ruhigen Entwicklung (1683-1741) neue Bedrängnisse.  Bayern und Franzosen machten Maria Theresia ihr Erbe streitig; daraus entsprang der Erbfolgekrieg. Im Herbst 1740 wurde Wolfsbach vom Feind besetzt. Er verlangte ohne Rücksicht auf die Größe und den Bedarf der Höfe ungeheure Lieferungen an Naturalien: von jedem Hof 2 Metze Korn und Hafer, je 10 Bünde Heu und Stroh; je 10 Häuser mussten einen Ochsen abliefern. Dazu mussten noch Soldaten in Kosten und Quartier genommen werden. Auch zu den Kontributionen der Klöster und Gutshöfe musste die Bevölkerung ihren Teil beisteuern. Die Bayern erhoben übrigens diese harten Forderungen nur unter dem Druck der Franzosen, und zwischen ihnen und der Bevölkerung stellte sich sogar ein gegenseitiges Vertrauen ein. Mitte Oktober marschierten die Feinde in österlicher Richtung ab. Als aber bald darauf ein Teil der Feinde, vorwiegend Franzosen, zur Besetzung Oberösterreichs den Rückmarsch antrat, ergaben sich häufigere und grausamere Übergriffe als beim Hinmarsch. Die Forderungen der Feinde waren so maßlos, dass die Ausgebeuteten selbst den größten Mangel litten. Plünderung, Brandschatzung und Bedrohung der Menschen waren an der Tagesordnung. Der mühsame erarbeitete Wohlstand war auf Jahre hinaus vernichtet.

Der Rückmarsch der Franzosen in den ersten Novembertagen artete fast in eine wilde Flucht aus, denn die Soldaten Maria Theresias folgten ihnen auf dem Fuße. Das Armeekorps Khevenhüller zählte 1600 Mann; es wurde verstärkt durch die wilden Panduren. In der Advents- und Weihnachtszeit 1741 sammelte es sich im Raum von Wolfsbach und Aschbach zum Gegenangriff, der nach dem Übergang über die Enns einen für Österreich günstigen Verlauf nahm.

Die Franzosenkriege

Nach kaum 40 Jahren Frieden trat Österreich wieder in eine kriegerische Phase ein, die mit Unterbrechungen 22 Jahre dauert. Diese Kriege standen im Zeichen Napoleons, und Österreich hatte in ihrem Ablauf die Hauptlast zu tragen. Für Wolfsbach sind die Jahre 1800/1801 und 1805 gekennzeichnet durch feindliche Invasion. Am Heiligen Abend 1800 räumten nach mehreren Niederlagen die österreichischen Truppen den Westen des Bezirkes, und noch am selben Tag folgte der Feind. Am Christtag kam ein Waffenstillstand zustande, die Franzosen bezogen aber Quartier über den Winter. Über ihr Verhalten liegen widersprüchliche Berichte vor. Auch in der damals selbstständigen Gemeinde Bubendorf hat es Einquartierung gegeben. Zwischen dem 16. Und 20. März 1801 setzten sich die Franzosen zum Heimmarsch in Bewegung.

Im Frühling wie im Sommer 1809 erlebte Wolfsbach den Durchmarsch siegestrunkener und gewalttätiger Soldaten. Dazwischen lagen der Sieg der Österreicher bei Aspern und ihre Niederlage bei Wagram. Was unser Heimatort in diesem Jahre durch Plünderung zu leiden hatte, fällt umso schwerer ins Gewicht, als die Bevölkerung durch die vorausgegangene Invasion bereits ausgebeutet und ausgeplündert war. Der Pfarrer von Wolfsbach, Florian Nasinger, war von den Franzosen so misshandelt worden, dass er in Persenbeug, wohin er sich zur Operation begeben hatte, an Brustkrebs starb.

Wenn man die dichte Aufeinanderfolge feindlicher Einfälle vom Beginn des 16. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bedenkt, verzeichnet man mit Genugtuung die Tatsache, dass von 1809 bis 1945 kein Feind die Heimat verheerte.

1733 wurden die Länder in Bezug auf das Heerwesen in Werbungsbezirke eingeteilt. Jedes Kronland der Monarchie hatte eine bestimmte Anzahl von Soldaten zu stellen. Für die Regelung der Truppenaushebungen wurden ab 1754 Volkszählungen durchgeführt. Unsere Heimat gehörte zum Werbebezirk des Regiments Nr. 49. Eine allgemeine Wehrpflicht bestand noch nicht. Eine Anzahl von Ständen und Berufen musste keinen Heeresdienst leisten. Maßgebend für die Freistellung war, welchen Nutzen ein Stand für den Staat abwarf. Folglich blieb der Dienst im Heer an den Söhnen der Bauern und Häusler, bestimmten Handwerkern und an den Knechten hängen. In Friedenszeiten waren Verheiratete vom Wehrdienst möglichst ausgenommen. Dies war in manchen Fällen ein Anstoß zu Frühehen. Der Wehrdienst war zeitlich nicht befristet. Gefallene Soldaten blieben nicht selten verschollen. Im Zusammenhang mit der Einrichtung von Werbebezirken kam es auch zur ersten Nummerierung der Häuser und zu einem neuen Steuersystem.

Für die vorangegangene Zeit war der Zehent charakteristisch gewesen. Der Besitzer des Gasthauses Nr. 2 in Wolfsbach behob früher von mehreren Bauernhöfen den Zehent, den der Eigentümer dieses Hauses im Jahre 1691 von der Herrschaft Erlakloster käuflich an sich gebracht hatte, daher der Name „Zehenthof“ (heute Gasthof Templmaier).

Zur Verbesserung des Steueraufkommens, das wiederum der Erhöhung der militärischen Schlagkraft dienen sollte, führte Maria Theresia eine Steuerregelung durch (1749-1754), kurz „Theresianische Fassion“ genannt. Diese sorgte für eine gerechte Besteuerung, bewährte sich und blieb daher 70 Jahre in Geltung.
2 ortsansässige und 3 auswärtige Schätzer stuften den bäuerlichen Besitz ein, versahen ihn mit topographischen Nummern und trugen ihn in die Rustikalfassion ein.

Das Jahrhundert zwischen den Franzosenkriegen und dem Ersten Weltkrieg (1814-1914)

Wie es um Wolfsbach im vorigen Jahrhundert bestellt war, zeigen uns Schweickhardt in seiner „Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns“ für das Jahr 1837 und Schwetter in seinem „Heimatbuch der k.k. Bezirkshauptmannschaft Amstetten“ für das Jahr 1884. Dazu muss bemerkt werden, dass die heutige Gemeinde Wolfsbach bis zum Jahr 1939 aus den 3 Gemeinden Wolfsbach, Meilersdorf und Bubendorf bestand. Die Rotten Bubendorf und Meilersdorf hatten auch schon früher zur Gemeinde Wolfsbach gehört, wurden aber von ihr im Jahr 1800 getrennt und zu selbstständigen Gemeinden erhoben; so blieb es aber nur bis 1810.

Es mochte einige Jahrzehnte gedauert haben, bis sich Wolfsbach von der mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Belastung der Franzosenkriege erholt hatte.

Es waren ja nicht nur jene Lasten fühlbar gewesen, die mit Truppenbewegungen, militärischer Besetzung und Kämpfen unweigerlich verbunden sind; vielen Familien waren Söhne, Väter und Gatten entrissen worden, oder diese waren als Versehrte zurückgekommen.

Die Zeit nach 1815 war nicht wie die Zeit nach 1945 gekennzeichnet durch den Willen, die Schäden des Krieges zu beheben und die Entwicklung voranzutreiben. Die große Leistung dieser Zeit, die Kultur des Biedermeier, fand nicht den Weg vom gehobenen Bürgertum der Städte zum schlichten Landvolk. Und doch fehlte diesen einfachen Bauern und Handwerkern nicht der Sinn für das Schöne und die Freude an ihm. Unsere volkskundlichen Museen bergen eine Fülle von Gütern, die zeigen, dass das Landvolk des vorigen Jahrhunderts nicht nur einen ausgeprägten guten Geschmack hatte, sondern auch die Fähigkeit, sein schlichtes handwerkliches Tun in die Nähe der Kunst zu rücken. Dieses Bemühen fand seinen Niederschlag in Häusern und Hausrat, in Arbeitsgerät und Kleidung.

Fast unerschöpflich ist die fülle an Brauchtum, das sich um die Feste im Jahreslauf rankt und der beschwerlichen  Arbeit Sinn und Weihe gab Diese Arbeit war voll Mühsal, sie forderte die ganze Kraft. Die Ansprüche, die die bäuerlichen Menschen an das Leben stellten, waren bescheiden. Die sozialen Schranken, die Bauern, Handwerker, Häusler und Dienstboten voneinander schieden, waren schwer zu überwinden. Die Möglichkeit, zu einer selbständigen Existenz zu gelangen, war fast nur den Erben der Bauern und der Gewerbetreibenden gegeben. Mehr als der Hälfte der Bevölkerung fehlte jene soziale Sicherheit, die die Gründung einer Familie ermöglichte.

Für das Alter gab es bei jenen, die keine Heimstatt besaßen, weder eine dauernde Unterkunft noch ein gesichertes Brot. Nach einem Bericht aus dem Jahre 1879 befand sich in Wolfsbach allerdings ein Armenhaus. Alte Dienstboten, die zur Arbeit nicht mehr kräftig genug waren, zogen aber vielfach als „Quartierter“ von Haus zu Haus, ihre armselige Habe auf einer „Radeltrag“ mit sich führend. Die unverheirateten Geschwister von Bauern oder Bäuerin gaben meist unbezahlte Dienstboten ab, die im Alter oft nicht gut versorgt waren.

Schweickhart berichtet, dass es in Wolfsbach 1837 zahlreiche Grundherrschaften gibt, „welche die hausten Unterthanen und Grundholden besitzen“. Tatsächlich waren es insgesamt 27 verschiedene Grundherrschaften, die aber in den drei Rotten in wechselnder Zusammenordnung vertreten waren, sodass auf Wolfsbach 15, auf Meilersdorf 14 und Bubendorf 13 entfielen. Die folgende Darstellung führt sie in alter Schreibung an:

Wolfsbach: Ensegg, Erla, St. Georgen am Ybbsfeld, Seitenstetten, Pantaleon, Kröllendorf, Schloss Steyer, Perwarth, Sooß, Wolfpassing, Rohrbach, Salaberg, Pfarre Wolfsbach, Pfarre Waidhofen, Dechantei Freistadt

Meilersdorf: Ensegg, Erla, St. Peter, Seitenstetten, Burg Ens, Kröllendorf, Schloss Steyer, Gleink, Sooß, Dorf an der Ens, Truentenstift Steyer, Salaberg, Pfarre St. Georgen, Pfarre Waidhofen

Bubendorf: Gresten, Gleiß, St. Pantaleon, Seitenstetten, St. Peter in der Au, Kröllendorf, Hagberg, Feiregg, Sooß, Burg Ens, Gleink, Salaberg, Pfarre Waidhofen


Von der Landschaft einer jeden Rotte gibt Schweickhardt eine gewinnende Beschreibung, die im Ganzen ein gleiches freundliches Bild bietet: „Die Lage von Wolfsbach besteht aus mehreren namenlosen Hügeln, Thälern und ebenen Strecken, wobei die Gegend durch die bunte, äußerst anmuthige Abwechslung mit Feldern, Wiesen und kleinen Gehölzern, gleich wie künstlich angelegt englische Partien, einen romantischen Charakter enthält“. Es werden alle Getreidegattungen, vorwiegend aber Weizen und Korn angebaut. Diese Tätigkeit wie der Obstbau „werden in vorzüglichen Grade betrieben“.
Er rühmt das „ganz vortreffliche“ Klima und Wasser, den Reichtum an Wild, verweist aber drauf, dass die Fischerei ganz unbedeutend sei. Eine Zusammenfassung der Angaben für die einzelnen Gemeinden ergibt für ganz Wolfsbach die folgende Statistik:


Wolfsbach
Meilersdorf
Bubendorf
Summe
Häuser
96
103
95
294





Familien
126
122
113
361
Männer
313
312
261
886
Frauen
317
330
264
911
Schulfähige Kinder
99
54
71
224





Pferde
112
115
76
303
Ochsen
40
59
137
236
Schafe
168
222
343
733
Schweine
160
180
250
590
Kühe
339
356
-
695





Bäcker
1
-
1
2
Hufschmied
2
1
1
4
Schuhmacher
2
2
1
5
Schneider
1
1
1
3
Weber
-
3
2
5
Wagner
1
1
-
2
Tischler
-
1
-
1
Binder
-
1
-
1
Wirt
3
-
-
3
Fleischhauer
1
-
-
1
Krämer
1
-
-
1
Sattler
1
-
-
1
Chirurg
1
-
-
1